Die Macht der Leere
Eine klare Sache, dieser «Boccanegra». Durch konsequente Weglassung historischer Staffage gelingt es Benedikt Borrmann, Verdis lange vernachlässigter Oper zu einem nachvollziehbaren Bühnenleben zu verhelfen. Hafentrubel, Korsarenromantik, Renaissanceopulenz hätten bei dem Versuch, den Konstellationen zwischen den unglücklichen Personen auf den Grund zu gehen, nur gestört. Nein, Glück gibt es in diesem Einheitsbühnenbild von japanischer Schlichtheit wirklich nicht. Eine gerundete, rechtwinklig strukturierte Milchglaswand schließt die Einheitsbühne nach hinten ab.
Sie ist Barriere für die Blicke, die sich nicht vom Geschehen vorne ablenken lassen sollen. Zweimal bekommt sie eine eigene «Rolle», als der Schatten Fiescos, der geheimen Macht im Hintergrund, zu sehen ist und als das Blut des hingerichteten Verräters Paolo das trübe Glas befleckt und die Versöhnungsszene zwischen Simone und Fiesco am Ende belastet.
Die Macht ist das zentrale Thema des Abends, die Macht, die der Doge über seine Bürger hat, die Macht, die seine Feinde über seine Tochter ausüben, die Macht, die jede menschliche Beziehung verhindert. Gebeugt von dieser Last sind die Personen keines zügigen Schrittes mehr in ...
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Auch wenn Jacques Offenbach nach 1871 in Paris nicht mehr die zentrale Rolle spielte wie im Zweiten Kaiserreich, so schrieb er bis zu seinem Tod (1880) immerhin noch vierzig Bühnenwerke, von denen einige sehr erfolgreich waren. Freilich hatte er sich dem veränderten Zeitgeschmack anzupassen. Jetzt waren Feerien gefragt, Ausstattung und moderne Bühnentechnik...
Nicht eben einfach, dieser Weg zur Kunst. Wer weder Glück noch vertieftes Orientierungsgefühl besitzt, der wird es vermutlich schwer haben, das neue Glanzstück zu finden, das wie eine Fata Morgana unweit des Dresdner Flughafens inmitten einer somnambulen Gartenstadt auftaucht. Für einen Moment hat man das Gefühl, diese Abgeschiedenheit sei vielleicht gewollt,...
Wenn er daherkäme wie Hans Pfitzners Palestrina in der Inszenierung von Nikolaus Lehnhoff 1999, niemand könnte ihm böse sein: der Intendant als resignierter Romantiker im öffentlich-kommunalen Musikbetrieb. Zehn Jahre ist Tobias Richter nun in Düsseldorf, und schon die Bedingungen zu seiner Amtsübernahme waren keineswegs dazu angetan, ihn zum Strahlemann der...
