«Ich wusste, dass ich das kann»
Mr. O’Neill, Sie singen sich gerade im Turbotempo durch das schwere Fach: Max und Florestan, Siegmund und Lohengrin, Samson und Otello – wird Ihnen da nicht manchmal schwindlig?
Ja, manchmal wache ich nachts auf und frage mich, ob das alles wirklich wahr ist. Aber es ist nun mal so. Die Karriere ist in den letzten zwei Jahren durchgestartet, und jetzt bin ich ein richtiger Opernsänger, der an all den Orten singt, von denen er fünf Jahre vorher nur träumen konnte. Ich habe gerade an der Deutschen Oper Berlin meinen ersten Cavaradossi in einer Repertoireaufführung hinter mir.
Natürlich ist das hart mit nur zwei Tagen Probenzeit. Aber man hat mir das angeboten, und ich wollte die Rolle unbedingt singen. So, where’s the problem?
Das gilt bei Ihnen sogar für den Otello, der für etliche Tenöre der Gipfel ihrer Laufbahn ist.
Ja, auch wenn es unglaublich klingt. Die Nacht zuvor hatte ich mit Antonio Pappano in Rom gesungen und anschließend Chianti getrunken, und als ich am nächsten Tag zurück in London war, kam die SMS von meinem Manager mit der Frage, ob ich nicht Lust hätte, morgen Abend Otello mit Colin Davis zu singen. Ich habe sofort ja gesagt, obwohl ich die Rolle kaum kannte. Ich hatte ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Clemens Krauss ist zweifellos einer der wichtigen Dirigenten des 20. Jahrhunderts, aber auch eine Reizfigur. Letzteres vor allem deswegen, weil er ab 1936 die Münchner Oper leitete und sich noch 1942 zum Chef der Salzburger Festspiele erklären ließ. Sich mit den Nationalsozialisten zu arrangieren und Kollegen zu ersetzen, die um ihre Stellung gebracht wurden...
Das Bedürfnis, die menschliche Stimme terminologisch in verschiedene Register einzuteilen, rührt daher, dass bei einer Stimme, die über mehrere Oktaven geführt wird, verschiedene Bereiche akustisch zu unterscheiden sind, besonders deutlich bei unausgebildeten Stimmen. Schon im mittelalterlichen Musikschrifttum findet man Hinweise auf eine Dreiteilung der «vox...
Wäre es nach Napoleon gegangen, ein Bayer hätte sofort die Pariser Oper übernehmen können. 1799 hörte der begeisterte Feldherr in der Mailänder Scala «La Lodoïska», doch Simon Mayr lehnte dankend ab. Das Stück war lange ebenso vergessen wie die gerade wiederentdeckte «Medea in Corinto». Es wurde 1796 in Venedig uraufgeführt und verlangt dringend nach szenischer...
