Cleveland im Figaro-Fieber

Franz Welser-Möst dirigiert Mozart, die örtliche Opernkompagnie feiert Rossini

Opernwelt - Logo

Die Severance Hall, ein Jugendstilschrein von selten anzutreffender Pracht, wurde 1931 eröffnet. Für einige Zeit hatten in dem Konzertsaal auch szenische Opernaufführungen Konjunktur. Die Sänger agierten auf der Bühne, das Orchester saß im Graben. Nach mehreren konzertanten Opern mit allen Beteiligten auf der Bühne griff Franz Welser-Möst, der amtierende Musikdirektor des Cleveland Orchestra, die alte Praxis wieder auf, indem er Sven-Eric Bechtolfs Zürcher Inszenierung von Mozarts «Le nozze di Figaro» in Cleveland neu aufziehen ließ.

Und zufällig fiel dieses Ereignis mit einer (eingekauften) Produktion der Cleveland Opera von Rossinis «Il barbiere di Siviglia» zusammen, die im prunkvollen State Theatre über die Bühne ging.
Die Rossini-Buffa hatte vor knapp zehn Jahren die Reisetruppe Opera Pacific eingerichtet: kompakt gebaut, gleichwohl weitläufig und luftig. In warme Ockertöne getaucht, mit ein paar kräftigen Farben gewürzt, wandelte sich das Bild elegant von Szene zu Szene. Der Zürcher Mozart-«Figaro» hingegen spielt zwischen Pappkartons, ein paar Stuhlreihen und einigen im Kreis aufgestellten Karussellpferden, die aber immer still standen. Die Kostüme weisen hier wie dort in die ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2009
Rubrik: Magazin, Seite 70
von Matthew Gurewitsch

Vergriffen
Weitere Beiträge
Agonie des Realen

Francis Poulencs 1957 an der Mailänder Scala uraufgeführte Oper «Dialogues des Carmélites» schien damals ihres religiösen Sujets wie ihrer weitgehend tonalen Musik wegen aus der zeitgenössischen Entwicklung herauszufallen. Heute erweist sich das wieder häufiger gespielte Stück als eigenständiges Ausnahmewerk in der Nachfolge von Debussys «Pelléas et Mélisande»....

Massenet: Don Quichotte

Für Massenets «Don Quichotte» entwickelte Götz Friedrich in den siebziger Jahren ein Regiekonzept, das – vorgestellt in der Hamburgischen Staatsoper – auch heute noch trägt: Der Ritter von der traurigen Gestalt war bei ihm keine Figur des späten 16. Jahrhunderts, sondern ein Zeitgenosse des Komponisten, der in dem Wahn lebt, Don Quichotte zu sein. Ein doppelbödiges...

Der Kapitän als Feingeist

Eine konzertante Aufführung schien 1997 die Wende zu bringen. Als Kent Nagano in Manchester die Erstfassung von Brittens «Billy Budd» mit Thomas Hampson in der Titelrolle dirigierte, schien der Weg frei; und tatsächlich folgten u. a. 2001 an der Wiener Staatsoper und vier Jahre später an der Staatsoper München szenische Produktionen dieser 1951 in London...