Absurde Bohème
Manchmal kommt die Überraschung auf leisen Sohlen, wie jetzt bei der spektakulären Wiederentdeckung von Edison Denisovs Oper L’Écume des jours (Der Schaum der Tage) in Stuttgart. Das 1986 in Paris erfolglos uraufgeführte und zuletzt 1994 in Mannheim gespielte Werk ist ein schillernder Solitär, der scheinbar leichtgewichtig stilistisch konträre Elemente wie Zwölftonmusik, Jazz und Chanson mischt.
Diese Offenheit hat viel mit Denisovs Vorliebe für die französische Kultur, mehr noch mit dem Stoff zu tun, der ihn zu seiner surrealistischen Oper inspirierte, Boris Vians Roman L’Écume des jours. In diesem 1947 erschienenen Kultbuch hat der früh verstorbene Bohemien, Schriftsteller, Jazztrompeter und Chansonnier Vian das Lebensgefühl der existenzialistischen Nachkriegsgeneration getroffen. Er erzählt hier mit Wortwitz und ironischen Schlaglichtern die bittersüße Liebesgeschichte von Colin und Chloé, die sich kennen und lieben lernen, heiraten, in den Tag hineinleben, bis in Chloés Brust eine Seerose wächst, an der sie stirbt. Colins Freund, der Büchernarr Chick, wird von Polizisten erschossen; seine Freundin Alise kommt bei der Brandstiftung um, die sie in einer Buchhandlung begeht. ...
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Opernwelt Januar 2013
Rubrik: Im Focus, Seite 8
von Uwe Schweikert
Claude Viviers Musik ist vertraut und fremd, beruhigend und verstörend. In seiner 1978/79 komponierten, etwa 70-minütigen Oper Kopernikus treffen schwebende, tonale Klangflächen auf glissandierende Solostimmen, kantable Phrasen auf kindliches Gebrabbel, impulsive Attacken auf meditative Nachklänge. Viviers musikalische Erfahrungen auf einer langen Ostasienreise...
So sieht sie aus, die neue Opernwelt – inhaltlich genauso gewichtig wie eh und je, grafisch aber klarer und kontrastreicher. Auch die Ausstattung ist ansprechender geworden. Für den Relaunch haben wir mit einem international renommierten Art Director zusammengearbeitet. Das erste Heft in der neuen Gestaltung eröffnet vielfältige Perspektiven auf das Jahr 2013....
Herr Sawallisch, Ihr Bühnenabschied liegt sieben Jahre zurück. Wie geht es Ihnen?
Ich freue mich, dass ich zu Hause in aller Ruhe meinen Lebensabend verbringen kann. Manchmal sind Besuche von der Bayerischen Staatsoper eine herzerfrischende Unterbrechung. Ich hatte in München die Möglichkeit, mit Strauss und Wagner und Mozart der Oper eine Richtung zu geben, von der...
