Geckentheater
Am Ende holt ihn der eigene Alptraum ein: Baculus liegt in seinem Blut, erschossen wegen eines angeblich gewilderten Rehbocks! Von einem Doppelgänger verfolgt fühlt sich der Schulmeister schon in der Ouvertüre, schlussendlich erliegt er wohl der eigenen Fantasie. Zwischen Anfang und Ende dieser lang ersehnten, seit 43 Jahren ersten Dresdner Neuproduktion des «Wildschütz» war manch Angenehmes zu hören, doch wenig Anregendes zu sehen.
Denn bis auf diese eine Idee gab Regisseur Jens-Daniel Herzog nicht wirklich preis, was er mit dieser hintersinnig-prickelnden Komischen Oper heute erzählen will.
Vermutlich auch deshalb wird in seiner Inszenierung hemmungslos chargiert, kein noch so abgestandener Theater-Gag ausgelassen: Da knallen Türen gegen Köpfe, wird gestolpert, an Hauswände gepinkelt und das für die berühmten 5000 Taler verscherbelte Gretchen von den feilschenden Männern en passant niedergestreckt. Ach ja – es ist und bleibt das Komische, das so schwer zu machen ist! Man vermisst nicht nur ein Gespür für die Ironie und Doppeldeutigkeiten dieses Verwirrspiels der Gefühle, sondern vor allem für das Tempo der Szenen. Ganz abgesehen davon, dass die Pseudo-Laszivität zweier ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Dezember 2015
Rubrik: Panorama, Seite 39
von Bettina Volksdorf
Ein grauer Oktoberabend. Monteverdi. Die Toccata aus «L’Orfeo». So geht es los im Berliner Festspielhaus. Zwei Musiker aus Kinshasa spielen die berühmte Melodie. Auf einer E-Gitarre der eine, auf dem Daumenklavier, einer Likembe, der andere. Hinten, vor einer goldgelben Kettengardine, sind alle möglichen Percussion-Instrumente aufgebaut – Xylofon, Woodblocks,...
Gounods Goethe-Erfolg, eine der (gar nicht so) geheimen Lieblingsopern Thomas Manns, kann auch im 21. Jahrhundert noch auf Interesse und Bewunderung stoßen. Die Chor-, insbesondere die Kriegsszenen sind nicht allzu weit von Verdi’schem Schwung entfernt, und den Intimitäten des im Mittelpunkt stehenden vokalen Trio infernale sind bedeutende Schön- und Apartheiten...
Simon Boccanegra» gehört, wie «Macbeth» und «Don Carlos», zu den experimentellen Opern Verdis und hat wie diese erst nach einer gründlichen Überarbeitung seine endgültige Gestalt gefunden. Das Werk enthält keine eingängigen, populären Melodien, zudem erschwert eine krause Handlung die Rezeption. Abramo Basevi, Autor der ersten Verdi-Monografie, will das...
