Bewundernswert

Salvatore Sciarrinos «Luci mie traditrici» in einer Einspielung mit jungen Solisten

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1590 wurde ein Komponist zum Mörder: Carlo Gesualdo di Venosa war zu Ohren gekommen, dass seine Frau ihn betrüge. Er täuschte einen Jagdausflug vor, erwischte sie mit ihrem Liebhaber in flagranti und tötete beide.

Siebzig Jahre nach dem Doppelmord stilisierte der Librettist Giacinto Andrea Cicognini das Geschehen zu einer 46 Szenen umfassenden «opera tragica». Und weitere drei Jahrhunderte später verdichtete der italienische Komponist Salvatore Sciarrino diese wiederum zu einem Zweiakter von einer guten Stunde Spieldauer.

Sciarrinos Text umkreist Grundkonflikte: Hoffnungen und Ängste, an denen Liebe sich entwickeln, aber auch selbst zerstören kann. Er weist aber über das Alltägliche hinaus, indem er aufzeigt, wie vertraute Gefühle sich ins Pathologische steigern können.

«Luci mie traditrici» («Meine trügerischen Augen»), 1998 bei den Schwetzinger Festspielen uraufgeführt, erfordert nur ein kleines Orchester von 21 Musikern inklusive zwei Saxofonisten. Dieses verkörpert aufs Schönste die Vorstellung des Autodidakten Sciarrino von Musik als Organismus: Die Blechbläser atmen und schnaufen, die Holzbläser klappern mit den Zähnen und schlagen mit den Flügeln, die Streicher plappern und ...

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Opernwelt April 2012
Rubrik: Medien | CDs, DVDs, Bücher, Seite 22
von Jörg Hillebrand

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