Der Unzeitgemäße
Bis heute ist er umstritten. In Jürgen Kestings neuer, zweieinhalbtausend Seiten umfassender Ausgabe von «Die großen Sänger» sind Max Lorenz gerade mal eineinviertel Seiten gewidmet. Unter der Überschrift «Hitze und Hysterie» heißt es, sein Singen habe «den Charme des Kasernentons». Und dann wird Hitlers Parade-Siegfried mit einem einzigen Satz vernichtet: «Es gibt keinen Tenor von Rang, in dessen Singen die Rhetorik jener Zeit so grell und grässlich widerhallt wie bei diesem Irrweg zu Wagner.
» Die Zeitzeugen, die der neue Film von Eric Schulz und Claus Wischmann vor die Kamera lädt, sind da anderer Meinung – und doch absolut unverdächtig. Die Jüdin Hilde Zadek schwärmt mit leuchtenden Augen vom größten Heldentenor, den es je gab; Waldemar Kmentt erinnert sich mit Tränen in den Augen an ein zutiefst menschliches Vorbild; Dietrich Fischer-Dieskau erinnert daran, dass der Klang von Lorenz auch lange nach dem Zweiten Weltkrieg eine Art Idol war und dass heute nichts Vergleichbares existiert. Im Vergleich mit Lorenz, fügt er schmunzelnd hinzu, sei «alles nur heiße Luft».
Wie wahr! Wenn seit sechzig Jahren darüber geklagt wird, dass es keine echten Heldentenöre mehr gibt (ein Vorwurf, ...
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In einer Zeit, in der echte Verdi-Sänger ebenso selten geworden sind wie echte Vertreter des Wagner-Fachs, greift der Sammler gern zu alten Mitschnitten und nimmt dabei sogar ein unbefriedigendes Klangbild in Kauf – wie in jenem «Otello» aus Buenos Aires, der nun vom Istituto Discografico Italiano erstmals legal veröffentlicht wird. Ramón Vinay, ein epochaler...
«Was für ein abscheulicher Stoff, nicht ein gutes oder edles Gefühl darin!» So charakterisierte Alexander Puschkin die Geschichte vom ukrainischen Kosaken-Hetman Iwan Mazeppa, die zur Grundlage seines großen Versepos «Poltawa» wurde. In der Tat: Mazeppa, der schon zur Zeit Peters des Großen eine unabhängige Ukraine anstrebte, ist eine zwielichtige Figur. Im Großen...
In Zusammenhang mit Raritäten stellt sich häufig die Frage, ob ein Werk nicht vielleicht doch zu Recht unter den Teppich des Vergessens gekehrt wurde. Bei Francesco Bartolomeo Contis Tragicommedia in fünf Akten «Don Chisciotte in Sierra Morena» kann man dies klar verneinen. Die Produktion der «Musikwerkstatt Wien» im Semperdepot bringt eine vergnügliche Begegnung...
