Licht und Schatten
Ein Vokalrezital der etwas anderen Art hat Diana Damrau herausgebracht. Zum einen wird das obligate Begleitinstrument Klavier durch die Harfe ersetzt, was bei den Liedern von Debussy, Fauré und Strauss problemlos, bei Schumann etwas weniger gut funktioniert. Xavier de Maistre, Soloharfenist der Wiener Philharmoniker, erweist sich als hochmusikalischer, überaus einfühlsamer Begleiter, der zwischen den einzelnen Liedgruppen auch mit schön ausmusizierten Solostücken aufwartet.
Und zum andern ging die Sängerin das Risiko einer Live-Videoaufzeichnung ein, wobei ihr mit dem Musikfilmregisseur Brian Large ein Könner seines Fachs zur Seite stand. Der Versuch ist hervorragend gelungen. Die Aufnahme aus dem Festspielhaus Baden-Baden zeigt die Sängerin mit dem Rücken zum leeren Saal und mit dem Publikum vor sich auf der Bühne, womit zugleich große Konzertsaalatmosphäre und kammermusikalische Nähe suggeriert wird. Den Affektgehalt der Lieder verdeutlicht die opernerfahrene Sängerin optisch auf überaus lebendige und trotzdem dezente Weise, ihre Mimik wirkt vor der Kamera vollkommen natürlich und nie überzogen. Stimmlich hat sie ihre schönsten Momente in den weiten Melodiebögen, den Lyrismen ...
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Opernwelt Dezember 2013
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 22
von Max Nyffeler
Da liegt einer, mit einem Leichentuch zugedeckt. Regt sich, setzt sich auf: Siegfried! Staubig-soldatisches Aussehen: geschorener Schädel, Stiefel, schlammfarbene Hose, der Oberkörper in Verbände gewickelt, im Rücken Blutspuren von der tödlichen Wunde, die Hagen ihm mit dem Speer zugefügt hat. Wiederauferstanden von den Toten. Und man merkt, dass er viel Zeit...
Schon seit Längerem zerfließen die Grenzen zwischen traditioneller und historisch informierter Aufführungspraxis von Musik zugunsten eines dritten Weges, der Elemente beider Interpretationsansätze miteinander verbindet. Die Berliner Barock Solisten stehen geradezu beispielhaft für die heute schon fast selbstverständliche Offenheit und Flexibilität, mit der...
Für den imaginären, idealen Solisten waren die Arien nie gedacht. Barocke Oper, das hieß vor allem Maßanfertigung – egal, ob das durch den dramatischen Augenblick gerade motiviert war oder nicht. Eventuelle Schwächen der Stars wurden gekonnt kaschiert: War die Stimme zu wenig umfangreich, wurde mehr Zierrat eingeflochten. Und war die Kollegin in den Wiederaufnahmen...
