Zum Ausklang Hojotoho
Siegmund und Sieglinde finden sich in einem Vorort New Yorks, Wotan ist Ober-Börsianer, die Götter geben die Statthalter einer zerfallenden Luxusgesellschaft, die Walküren flanieren auf dem Catwalk zu Bildern aus Francis Ford Coppolas Kinoklassiker «Apocalypse Now». Zur «Walküre» im Theater der Stadt Koblenz wird viel Bekanntes, aus alten Produktionen Stammendes aufgefahren. Ganz bewusst hat die emsig Regie führende Intendantin Annegret Ritzel (42 Inszenierungen, davon 15 Opern in zehn Jahren) in ihrer jüngsten Arbeit ein Puzzle aus vorhandenen Steinchen ausgelegt.
Und darauf finden sich immer wieder Wagner-Motive. Mit dem «Fliegenden Holländer» war Ritzel in Koblenz angetreten, mit Wagner beendete sie nun ihre Koblenzer Regiekarriere.
Wagner in Koblenz? Dieser Gedanke liegt nicht gerade auf der Hand. Das im klassizistischen Stil erbaute, 1787 mit Mozarts «Entführung» eröffnete Haus war vor Ritzels Intendanz 25 Jahre lang eine Wagner-freie Zone: Kaum 500 Zuschauer fasst der Zuschauerraum, gerade mal 40 Musiker der Orchestergraben. Der Versuchung, trotzdem große Stücke zu riskieren, gab die 1945 geborene Intendantin gern und immer wieder nach – nicht nur zur Freude des örtlichen ...
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Eine konzertante Aufführung schien 1997 die Wende zu bringen. Als Kent Nagano in Manchester die Erstfassung von Brittens «Billy Budd» mit Thomas Hampson in der Titelrolle dirigierte, schien der Weg frei; und tatsächlich folgten u. a. 2001 an der Wiener Staatsoper und vier Jahre später an der Staatsoper München szenische Produktionen dieser 1951 in London...
Sie ist lange Jahre eines der großen unterschätzten Werke des 20. Jahrhunderts gewesen, Othmar Schoecks grandiose, düster glühende Kleist-Vertonung, aber jetzt scheint ihre Zeit gekommen zu sein. Nach Cottbus (OW 12/2003), Basel (OW 12/2007) und Dresden (OW 4/2008) legt Lübeck eine außerordentlich geglückte Inszenierung des Werks vor, die nahe an seinem Wesenskern...
«Denn siehe, Finsternis bedeckt die Erde und Wolkendunkel die Völker»: Die Worte des Jesaja, die Händel in seinem «Messiah» vertonte, scheinen prophetisch gerade auch für unsere Zeit. Und die Tumulte in der Londoner City anlässlich des nach rettenden Lösungen suchenden Wirtschaftsgipfels passierten ein paar hundert Meter Luftlinie vom Royal Opera House Covent...
