Geradeheraus
Der Grund, warum die estnische Komponistin Mari Vihmand die auf Deutsch geschriebene Novelle «Die Mathematik der Nina Gluckstein» als Vorlage für eine Oper gewählt hat, ist vermutlich der gleiche, aus welchem dieses kleine Buch in den achtziger Jahren zu einem internationalen Bestseller wurde: Die deutsch-argentinische Schriftstellerin Esther Vilar hat in ihrer Geschichte vom Tangosänger Chucho Santelmo und seiner Frau Nina die beiden klassischen Affekte der Liebes- und Todessucht so organisch und urwüchsig eingearbeitet, dass die Figuren ganz darin aufgehen.
Gerade die stolze Nina Gluckstein, die eines Tages beschließt, den heiß geliebten Gesangsstar, dem «alle Frauen zur Verfügung» stehen, durch demonstrative Anbetungsverweigerung für immer an sich zu binden – gerade sie hat das Zeug zur ikonografischen Opernfigur.
Dabei waren an der Estnischen Nationaloper die Komponistin (und Übersetzerin), ihre Librettistin Maimu Berg und die Regisseurin Liis Kolle klug genug, den im Buch knapp ausgeführten tragischen Stoff für das Opernlibretto nicht nur im Sinne seiner lakonischen Unnahbarkeit zu präsentieren. Während in der Novelle die Fan-Meute, die Nina und Santelmo am Ende in den ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
In seiner mit Spannung erwarteten Stuttgarter Inszenierung hat Karsten Wiegand Verdis «Aida», man kann es nicht anders sagen, in den Sand gesetzt. Er ließ sich von Bärbl Hohmann einen goldglänzenden Kasten auf die Bühne wuchten: Antichambre für die wartende Priester- und Hofkamarilla einer totalitären Diktatur, auswegloses Gefängnis für drei junge Menschen – Aida,...
Tommaso Traetta zieht. Schon seit geraumer Zeit. Vor zwei Jahren grub das Mannheimer Nationaltheater seine «Sofonisba» aus (siehe OW 4/2006). Vor neun Jahren stemmte das Festival in Martina Franca die zwischen Rameau und Mozart stehende Reform-Seria «Ippolito ed Aricia» und konservierte das Projekt auf CD (siehe OW 12/2000). 1997 ging Christophe Rousset mit den...
Sehen kann man noch nicht viel. Ja, irgendwo dort hinten in der mit Hitze vollgesogenen Luft und flirrendem Staubnebel beginnt die Brücke nach Saadiyat Island. Dort soll in den nächsten Jahren eine Insel des kulturellen Glücks wachsen. Die Brückenpfeiler stehen bereits; dahinter türmen sich Dutzende von Baukränen. Irgendwie schauert man bei diesem Blick von einem...
