«Da fließt es schwarz»
Luigi Cherubinis Vertonung der finstersten aller griechischen Tragödien markiert einen Wendepunkt der Operngeschichte. Mit diesem 1797 in Paris uraufgeführten Werk des seit 1786 in Frankreich lebenden Cherubini kommt die von Gluck begonnene Verschmelzung der italienischen Opera seria mit der französischen Tragédie lyrique zum Abschluss und treibt zugleich weit über den aufklärerischen Klassizismus von Winckelmanns Zeitalter hinaus.
Cherubinis Textdichter Hoffman hat die Vorlage des antiken Dramas von Euripides in beispielloser Verknappung ganz auf die Katastrophe und damit auf die psychische Introspektion der zwischen Liebe und Hass zerrissenen Titelheldin konzentriert, der Komponist seinerseits dieses Libretto ohne jede Konzession an den Zeitgeschmack in einem bis dahin unerhörten musikalischen Realismus vertont. Im tragischen Ende der den Liebesverrat Jasons rächenden Medea bricht sich unverhüllt die Romantik Bahn, die kein rettendes Orakel und keine verzeihenden Götter mehr kennt. Beethoven war vom revolutionären Elan Cherubinis hingerissen, und noch für Brahms verkörperte sich in der düsteren Größe dieser konsequent durchgeführten Tragödie «das höchste in der dramatischen ...
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Eine thematisch komplexe, auch komplizierte Geschichte ist es schon, die Alexander Zemlinsky im «König Kandaules» nach André Gides Drama «Le Roi Candaule» (1899) erzählt: Der König, vom Drang getrieben, sein Glück mitzuteilen, ja es mit anderen zu teilen, überlässt schließlich sogar seine geheimnisvoll-schöne Frau dem Freund für eine Liebesnacht. Bei Gide sagt er...
Mitte März: Spätabends schleicht eine Gruppe junger Menschen durch die Luther-Stadt Wittenberg, bepackt mit Beuteln und Taschen, und lässt in jeden verfügbaren Briefkasten ein Stück Papier hinabtauchen. Wer sich am nächsten Morgen dieses Stück Papier zu Gemüte führte, dürfte einigermaßen überrascht gewesen sein. Nicht etwa ein Werbezettel, sondern ein Flyer...
Ein Jammer, dass Stephan Suschke nicht Katharina Wagner heißt. Denn dann wäre seine Neuinszenierung der selten gespielten Oper «Das Herz» von Hans Pfitzner im Mainfrankentheater vermutlich auf jene überregionale Resonanz gestoßen, die sie verdient hätte: Die Großkritiker, die zum Regiedebüt der Wagner-Urenkelin 2002 noch alle kamen, sind ausgeblieben. Aber auch...
