Mitreissend, stimmig, tiefgründig
Erst spät, mit 35 Jahren, wagte sich Antonio Vivaldi an die Komposition von Opern. Für das Zusammentreffen mit dem verwöhnten Publikum seiner Heimatstadt Venedig ließ er sich noch ein Jahr länger Zeit, zunächst erprobte er sein Glück als Opernkomponist im provinziellen Vicenza. 1714 eroberte er dann mit «Orlando finto pazzo» das venezianische Theater Sant’Angelo.
Über die Bühne dieses Theaters ging auch drei Jahre später, im Januar 1717, die Uraufführung von «L’incoronazione di Dario» und erlöste mit ihrem Erfolg das Sant’Angelo aus einer finanziellen Krise, die kurz zuvor zu einem Eklat geführt hatte: Während der dritten Vorstellung von Fortunato Chelleris Oper «Penelope la casta» hatten Komponist und Sänger die Bühne verlassen, da sie nicht bezahlt worden waren; die privat finanzierten venezianischen Opernhäuser Venedigs standen in scharfer Konkurrenz. Vivaldi hat nur wenig später die Chance ergriffen, sich von den Ränken seiner Heimatstadt unabhängig zu machen: Ausgerechnet eine Aufführung von «L’incoronazione di Dario» hatte den Landgrafen Philipp von Hessen-Darmstadt, seinerzeit österreichischer Gouverneur von Mantua, in solche Begeisterung versetzt, dass er den Komponisten ...
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Opernwelt Juli 2014
Rubrik: CD des Monats, Seite 29
von Detmar Huchting
Hasst der Regisseur die Musik? Hadert er mit diesem Zwitterstück, das weder Oper noch Oratorium ist? Das Hector Berlioz als légende dramatique bezeichnete, das 1846 konzertant uraufgeführt, aber erst 1893, fast ein Vierteljahrhundert nach dem Tod des Komponisten, an der Pariser Opéra comique in Szene gesetzt wurde? Man könnte das meinen, wenn man sieht, wie der...
Alles auf Anfang. Es ist, als werde in Zürich die Erfindung der Oper anhand eines der frühesten Exemplare des Genres nachgestellt. Stockdunkel das Haus. Aus der Düsternis heraus beginnt eine der drei Chitarronen, die zuvor riesenhaft aus dem Graben auf die Bühne ragten, zu fantasieren. La Scintilla, diesmal nur 16 Köpfe stark, tastet sich – immer noch kein Licht –...
Kurz vor der Uraufführung seines «Wölfli-Liederbuchs» meldete sich Wolfgang Rihm mit einer Bitte an die Interpreten zu Wort: Die sieben Stücke sollten «in dynamische Extreme» geführt werden; «wenn dasteht fffpppfff, ist das physische Zuckung ... Ich stelle mir das Ganze vor: karg und glühend, eisig heiß, winterlich ohne Naturbild». Was der damals (1981) 29-Jährige...
