Macht am Rhein
Es gehört wohl zu den anthropologischen Konstanten, dass sich im subjektiven Rückblick die Dinge umso mehr verklären, je weiter sie in der Vergangenheit liegen. Der oft im Brustton der Überzeugung vorgetragene Glaubenssatz, dass früher alles besser gewesen sei, ist dabei natürlich meist weniger fundiertes Lob des Gewesenen als Ausdruck des Unbehagens an einer als unübersichtlich oder unwirtlich empfundenen Gegenwart. Natürlich gibt es auch hier Ausnahmen, und eine dieser Ausnahmen ist fraglos die Geschichte der Deutschen Oper am Rhein.
Wer die über fünf Jahrzehnte ausgespannte Entwicklung dieses im September 1956 mit Spielstätten in Düsseldorf und Duisburg gegründeten Instituts an Hand von Augenzeugenberichten, Besetzungslisten und Tondokumenten Revue passieren lässt, wird sich schwerlich der Einsicht verweigern können, dass es seine besten Zeiten nicht unbedingt im Hier und Heute hatte.
Ein Grund für die Ausstrahlung des Zwei-Städte-Hauses schon in der frühen Phase seiner Existenz: Es entpuppte sich dank einer erlesenen, bis heute gepflegten Ensemblekultur als Sprungbrett (und emotionale Heimat) für viele Künstler, die in Düsseldorf und Duisburg gleichsam die Grundausstattung ...
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«Wotans kühne Kinder» lautete der Titel einer Veranstaltung der Bayerischen Staatsoper im Cuvilliéstheater, die ich Ende Juli 2000 moderieren durfte. Die kühnen Kinder waren Martha Mödl, Astrid Varnay und Ingrid Bjoner. An dieses Zusammentreffen musste ich in den vergangenen Monaten oft denken, als ich die Archive der Düsseldorfer Oper und des Theatermuseums nach...
Auch der Regen ist der gleiche. Vielleicht liegt es ja daran, dass Bad Ischl und Salzburg nur gute fünfzig Kilometer trennen – in der Festspiel-Atmosphäre sind sich die beiden Bilderbuch-Lokalitäten nicht unähnlich. Bloß dass Mozart in der ehemaligen k. u. k. Sommerfrische Lehár heißt und sich dort folgerichtig (fast) alles um Operette dreht. Selbst am...
Leyla Gencer lässt sich nicht entmutigen. Bei ihrem tosend umjubelten Auftritt am Schlussabend der «Leyla Gencer Voice Competition» (in der zum Komplex des Topkapi gehörenden ehemaligen byzantinischen Kirche der Hagia Eirene) wirkt die zerbrechlich gewordene, aber noch immer voll innerer Energie sich zeigende Doyenne ein wenig wie Claire Zachanassian. Doch sie ist...
