Schlucken vor der Einsicht
Als Patrice Chéreau 1994 in Salzburg Mozarts «Don Giovanni» inszenierte, wagte er ein Tänzchen. Im zweiten Akt, wenn der Verführer seine Canzonetta zur Mandoline säuselt, posierte kein Macho unter dem Balkon von Elviras Zofe, sondern ein halb verrückter Autist begann sich zu drehen, zu steigern, zu verlieren in der Sucht des Eroberns. Es war ein leerer, trippelnder Totentanz, ein Abgesang auf den Eros, ein dürrer Kommunikationsversuch, mehr Klage als Tändeln. Ein berückendes Bild, aus dem sich Friedhofsszene und Finale als logische Konsequenzen ergaben.
Wenn Chéreau nun in Aix-en-Provence «Così fan tutte» inszeniert, taucht wieder ein Abschiedstanz auf. Wir sind noch in der Exposition des Stückes, bevor Ferrando und Guglielmo sich als Soldaten verabschieden, um gleich darauf als Tizio und Sempronio die Braut des jeweils anderen zu erobern. Die vier jungen Menschen, die sich nie mehr so finden werden, wie sie sich gerade noch haben, halten sich an den Armen. Sie ziehen sich in Kreisen über die Bühne, zerren sich vorwärts, richtungslos, mühsam Halt aneinander findend. In der Generalpause nach Mozarts in hoffnungslosen Sechzehnteln zuckendem Andante hackt Don Alfonso diesen Reigen mit ...
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Von den Protesten, die der Bayreuther «Ring»-Produktion 1976 entgegenschlugen, können sich viele, die nicht dabei waren, heute kaum noch eine Vorstellung machen. Dass grimmig blickende Menschen mit Transparenten um das Festspielhaus liefen, auf denen, groß und ernst gemeint, ein Alberich-Zitat stand, war dabei noch das Geringste: «Verflucht sei dieser ‹Ring›»....
Juwel, Kleinod – die Begriffe liegen nahe. Denn nichts anderes ist’s, was sich im Kurpark von Bad Wildbad mit viel ehrenamtlichem Nachdruck frisch renoviert präsentiert. Pastellfarben – Rostrot, Lindgrün, Vanille: Wie eine Puppenstube wirkt das ehedem Königliche Kurtheater von 1864 im Vergleich zu manchem Riesenhaus. Zur Eröffnung des kleinen, feinen Festivals...
Wer Robert Dean Smith nicht bei seinem Tristan-Debüt in Bayreuth und auch nicht im Rundfunk erlebte, kann dies nun auf der bei Oehms Classics erschienenen Best-of-CD nachholen. Dass das Vergnügen nicht so ungetrübt ist wie auf der Festspielbühne, liegt einerseits daran, dass sich die Stimme in der Bayreuther Akustik leuchtender entfaltete, dort wie die von James...
