Britten: A Midsummer Night’s Dream

Brüssel

Opernwelt - Logo

Kein Zauberwald, sondern ein Dachboden. Das ist der Raum, den Regisseur David McVicar und Bühnenbildner Rae Smith für die Brüsseler Neuinszenierung von Brittens «A Midsummer Night’s ­Dream» gewählt haben. Auf diesem Dachboden regieren Oberon, Tytania und ihre Elfen. Viele alte Kommoden, staubige Sessel und Schränke: Man wähnt sich in einem romantischen Kinderfilm. Der Vollmond scheint durch eine Dachluke. Hier treiben Puck und Oberon ihren Spuk.
Leider tun sie des Guten zu viel davon. Denn Brittens Oper, die 1960 in Aldeburgh uraufgeführt wurde, ist mehr als ein Märchen.

Die Shakespeare-Vor­lage über Ehebruch hat scharfe und kritische Seiten. Hypokrisie, Gleichgültigkeit und Schadenfreude, die der Komponist und sein Librettist und Lebensgefährte Peter Pears sehr gut aus ihrem eigenen Leben kannten, werden in dieser komischen Oper thematisiert. In McVicars Hollywood-Version geht dies verloren. Schwach auch die Lösung des Theaterstücks, das von Bottom und seinen Handwerksleuten aufgeführt werden muss: Auf einmal schließt sich der Vorhang, und die Sänger stehen an der Rampe.
Oberon wird von Countertenor Mi­cha­el Chance gesungen, der zwar einst in dieser Rolle Furore machte, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Februar 2005
Rubrik: Kurz berichtet, Seite 47
von Willem Bruls

Vergriffen
Weitere Beiträge
«Fremd bin ich eingezogen»

s ist kalt in Frankfurt. Knappe zehn Minuten nur dauert der Weg vom Hauptbahnhof bis zum Schauspielhaus: weißlicher Atemhauch aus Trinkerkehlen, blinkende Sex-Shop-Leuchtschriften, misstrauisch dreinblickende Passanten und gierige Krähen, die sich um halbverzehrte Döner balgen. Gefrorene Herzen, einsames Elend der Heruntergekommenen. Und vorbeieilende Banker dazu,...

Glass: Galileo Galilei

Da hat einer das Teleskop erfunden, um die Sterne der Welt zu ergründen, und ist am Ende seines Lebens blind. «Habe ich zu viel gekniet oder zu wenig», fragt sich Galileo Galilei. Wurde er von Gott gestraft, weil er seine naturwissenschaftlichen Erkenntnisse vor der kirch­lichen Inquisition widerrief oder weil er tatsächlich Gott gelästert hat durch seine Einblicke...

Liebesexperiment

«Rinaldo» gehört zu jenen Händel-Opern, die in den letzten Jahren erstaunlich oft auf der Bühne erschienen und von Christopher Hogwood und René Jacobs gleich zweimal hochkarätig eingespielt worden sind. Der ungeschnittene und daher störgeräusch-­intensive Mitschnitt einer Aufführung der Göttinger Händel-Festspiele 2004 mit dem Concerto Köln unter Nicholas McGegan...