Mythos – demaskiert

Strassburg : Opéra national du Rhin: Wagner: Götterdämmerung

Opernwelt - Logo

Kein Regisseur ist schlecht beraten, den «Ring des Nibelungen» vom Ende her zu denken. Wagners gewaltige Tetralogie endet ja nicht einfach mit einer der opernüblichen, kleinen zwischenmenschlichen Katastrophen; sie stellt ganz unbescheiden die Frage nach der Zukunft einer Gesellschaft vor dem Hintergrund von deren absolutem Niedergang.

David McVicar gelangt an der Straßburger Rheinoper zu einer überzeugenden, ja vielleicht der überzeugendsten Lösung der vergangenen Jahre.

Nachdem die – visuell einnehmenden – Flammen des Weltenbrands in viel Bühnenqualm erstickt sind und sich eine dunkle Zwischenwand vor das Geschehen schiebt, tänzelt ein halbnackter Mann mit Goldmaske auf die Bühne. Begleitet von den Hoffnung suggerierenden Klängen des sogenannten «Erlösungsthemas» wird er diese Maske in einem Lichtkegel ablegen und sich mit expressiver Gestik zu den Schlussakkorden zurückziehen. Ein doppelbödiger Schluss. Denn der Aussage, dass das Schauspiel des Lebens zu Ende ist, steht eine andere, kontroverse und viel wichtigere gegenüber: Es kann weitergehen, aber nur dann, wenn wir unsere Masken ablegen, wenn wir unser Ich nicht weiter hinter einem künstlichen Gesicht verbergen. Der Mythos ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2011
Rubrik: Panorama, Seite 47
von Alexander Dick

Weitere Beiträge
Kulturbotschafter Mozart

Als der irakische Vizepräsident Mullah Bakhtiyar am 26. November letzten Jahres auf der Premierenfeier die nagelneue Kölner «Entführung» in den Irak einlud, rechnete wohl niemand ernsthaft damit, dass die Oper drei Monate später tatsächlich mit einer hundertköpfigen Truppe in die Krisenregion aufbrechen würde. Niemand ahnte damals auch, wie dramatisch sich die...

Reales und Irreales

Nach dem großartigen «Lohengrin» zu Beginn der Spielzeit ging das Theater Regensburg mit «Die tote Stadt» erneut an seine Grenzen. Der Abend forderte alle Abteilungen und konnte in der Regie von Ernö Weil, die vorrangig Seelenzustände ausleuchtet, gänzlich überzeugen. Erneut ist die Leistung des Philharmonischen Orchesters unter Tetsuro Ban hervorzuheben, die das...

Der Magier als Maestro, der Maestro als Magier

Der Wald steht schwarz und schweiget keineswegs. Kleine Lichtschneisen durchzittern sein dichtes Laub, geben uns ein Gefühl für seine prächtigen Baumkronen. Aus dem Geäst kommen Fanfaren und Stimmen. Menschen? Naturwesen eher, bemoost am ganzen Körper oder mit Blättern überzogen. Oder doch Soldaten mit Grasbüscheln auf den Helmen? Schwer zu sehen, schwer zu sagen....