Schein und Sein in Wien
«The Show must go on! Inside my heart is breaking, my make-up may be flaking, but my smile, still, stays on!» Der Refrain des Songs, mit dem der bereits schwerkranke Freddy Mercury einen letzten Hit landete, klingt verdächtig nach dem «Vesti la giubba» Canios. An der Wiener Volksoper steht Leoncavallos «Bajazzo» gerade auf dem Programm, für einmal nicht mit Mascagnis «Cavalleria rusticana» zusammengespannt, sondern mit Hans Werner Henzes «Wundertheater» (1949) – ein Abend der Untersuchungen über das Wechselspiel von Schein und Wirklichkeit.
Henzes erstes Stücks fürs Musiktheater stammt klar erkennbar aus der Nachkriegszeit. Als Vorlage dient ein Intermezzo von Cervantes: Eine Theatertruppe spielt bei der Aufführung in einer spanischen Kleinstadt mit der Massensuggestion – nur wer brav katholisch und ehelich geboren sei, könne die Darbietungen sehen. Da keiner sich in dieser Hinsicht Blößen geben will, behaupten natürlich alle, das wahrzunehmen, was nicht existiert: den großen Samson, die tanzende Herodias oder das Ballett der Mäuse. Bis ein Polizist dem Treiben ein Ende zu setzen sucht, aber dabei zum Opfer der populistischen Hysterie wird. Jörg Schneider, Martina Dorak, ...
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Opernwelt Juni 2012
Rubrik: Magazin, Seite 64
von Gerhard Persché
Herr Koch, wer ist schuld an der Misere der fünfzehn «Ring»-Stunden? Alberich? Oder doch die Rheintöchter, weil sie ihn verlockt haben?
Das ist die große Frage. Beide Seiten wahrscheinlich. Ich sehe Alberich nicht als Alleintäter. Er ist mir auch nicht unsympathisch. Gerade in der Konfrontation mit Wotan verstehe ich manche seiner Handlungen und Reaktionen. Aber...
Es soll Zeiten gegeben haben, in denen sich Regisseure lieber einen Finger abgetrennt hätten, als im «Lohengrin» auf der Bühne einen Schwan zu zeigen. Konnte dieser doch als Sinnbild für naturalistischen Bühnenballast und unzählige Anekdoten herhalten. In den beiden aktuellen Produktionen am Rhein herrscht kein Schwanenmangel: In Koblenz lässt Videokünstler Georg...
Man könnte glauben, der «Parsifal» sei ein Öperchen, dass sich sogar in Krisenzeiten mal eben stemmen und auf CD verewigen ließe. Kurios, dass ausgerechnet Wagners himmlisch langes Bühnenweihfestspiel nun in einer dritten Neueinspielung binnen anderthalb Jahren vorliegt. Nach Valery Gergiev mit dem Mariinsky Orchestra (siehe OW 12/2010) und Jaap van Zweden mit dem...
