Danse macabre
Verdis Musik leuchtet in die Raumfinsternis hinein, in ein Menschendrama in nachtschwarzem Bühnenkasten. Und Carl St. Clair unterstreicht gleich im Vorspiel zu «La traviata», seiner ersten Berliner Premiere, fast feierlich das lyrische Gebet der hohen Streicher, den Ausdruck trauernder Inständigkeit, der unmittelbar auf die verletzte Seele und am Ende auf den Tod der Violetta Valery verweist. Der neue Generalmusikdirektor der Komischen Oper treibt Verdis Partitur scharf, präzise, hart federnd in die Atemlosigkeit des Dramas dieser Frau.
Tatsächlich zielt die Regie von Hans Neuenfels radikal auf das verzweifelte Drei-Personen-Kammerspiel um Violetta Valery, den Vater und den Sohn Germont, zielt in aller Härte auf das Unglück dieser Kurtisane, ihr unverhofft großes und wahres Gefühl, das sie beiden Männern opfern muss. Neuenfels will die «Traviata» nur in dieser verengten, doch existenziell zugespitzten Dimension verstehen, alles andere, das konventionell Gesellschaftliche aus dem alten Paris, lässt er beiseite. Dass es sich laut Verdi um eine «wirkliche Prostituierte» handelt, macht die Aufführung zunächst eher dezent deutlich. Doch am Ende steht Violetta Valery gnadenlos auf einem ...
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Es gibt ein berühmtes Foto von Igor Strawinsky: der Meister mit auf die Stirn geschobener Brille, die Welt mit großen Augen betrachtend. Genau so verwundert wäre er wahrscheinlich angesichts der Verbotszettel gewesen, die bei den Vorstellungen seines «Rake» im November an den Türen des Theaters an der Wien klebten. Denn dass eine seiner Opern ins Visier des Wiener...
Herr Jacobs, Sie haben sich vom Frühbarock in die Wiener Klassik vorgetastet. Bei den Mozart-Dirigenten alten Schlages, wie etwa Karl Böhm, war es eher umgekehrt, die kamen von Romantik und Spätromantik. Ist der Zugang zu Mozart also heute ein ganz anderer?
Bei mir hat es an erster Stelle damit zu tun, dass ich meine Karriere als Countertenor begonnen habe und schon...
Um lobende Hinweise auf seine Verdienste ist André Heller-Lopes nicht verlegen. Gleich drei Tageszeitungen zitiert der selbstbewusste Brasilianer im Programmheft zu seiner jüngsten Bühnenarbeit, um sich in strahlendes Licht zu rücken. Am Londoner King’s College ausgebildet, sammelte Heller-Lopes unter anderem an Covent Garden, an der Met und in San Francisco...
