Rollenspiele

Puccini: Tosca
Hannover | Staatsoper

Opernwelt - Logo

Achtung: Spoiler-Alarm. So heißt es ja neuerdings, wenn man etwas verrät, was der Leser vielleicht (noch) gar nicht wissen will. Aber Gastregisseur Vasily Barkhatov hat vorab im Programmheft preisgegeben, was seine «Tosca» von anderen unterscheidet: Der Täter ist hier auch Opfer. Und opfert sich bewusst – durch die Tat einer anderen. Verwirrt?

Denkfaulere Spielleiter mögen sich auf diese Fragen konzentrieren: Aus welchem Polizeistaat kommen Scarpias Schergen? Von napoleonischen Flinten bis zu Kalaschnikows hat man alles gesehen – in Hannover vor fünf Jahren noch Stasi-Gehabe.

Zweite Frage: Springt Tosca? Und wenn ja: wohin? Bei Barkhatov springt sie nicht, ihr suizidales Ende bedarf genauerer Klärung.

Der junge russische Regisseur – er hatte Hannovers neuer Opernintendantin Laura Berman in deren Basler Operndirektorinnenzeit einige Hingucker inszeniert – liefert visuelle Ausrufe- und Fragezeichen in Fülle. Schon vor den ersten Tönen führen (leider schlecht lesbare) Untertitel zum Kern seiner Geschichte, die später umfassend bebildert wird. Bösewicht Scarpia wurde als Jungkatholik missbraucht und treibt jetzt als kirchlicher Würdenträger sein Unwesen. In seine selbstmörderische ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2019
Rubrik: Panorama, Seite 36
von Rainer Wagner

Weitere Beiträge
Chiffren, Stereotypen

Immer wieder diese Bilder, schwarzweiß: Ein junges Paar in der Küche, er liebkost sie, aus Zärtlichkeit wird nach und nach Gewalt, er drückt sie auf den Boden, will in sie eindringen, sie zieht ein Küchenmesser ... Nicola Raab reichert ihre Straßburger «Rusalka»-Deutung fortwährend mit projizierten Wasser-, Wald- und Wolken-Motiven an (Video: Martin Andersson)....

Albtraumhaft verdichtet

Durchs Haus heult der Wind, es klappert und knackt, fernes Maschinengrummeln ertönt, die Glocken rufen zur Andacht. Eine solche Klangkulisse kreiert der italienische Komponist Francesco Filidei für sein neues, an der Opéra Comique in Paris uraufgeführtes Musiktheater «L’Inondation». Das Libretto Joël Pommerats, der auch für die Regie verantwortlich zeichnet,...

Der Materie verfallen

Wenn er über Musik sprach, leuchteten die Augen. Seine und die seines Gegenübers. Karl-Dietrich Gräwe war der «Materie» gleichsam verfallen, und es gab nur wenige Experten, die das Phänomen Musik mit so großer Emphase und leidenschaftlicher wie sinnfälliger Begeisterung in Worte zu fassen vermochten wie er. 1937 in Bielefeld geboren, promovierte der studierte...