Genrebilder für einen Thriller
Spionage, Eifersucht, Rache – keine andere Oper kommt einem Thriller so nahe wie Umberto Giordanos «Fedora». Der erste Akt zeigt uns Fedora Romazov in Sankt Petersburg, während ihre große Liebe stirbt. Im zweiten Akt hat sie als Frau, die aus der Kälte kam, in Paris den Mörder ihres Verlobten aufgespürt. Aber wider Willen verliebt sie sich in diesen Loris, in letzter Minute rettet sie ihn vor dem Zugriff der russischen Geheimpolizei. Ihre Denunziation hat jedoch Folgen: Loris’ Bruder wird als vermeintlicher Anarchist im Kerker zu Tode kommen.
Dabei hatte Loris Fedoras Verlobten nur deshalb erschossen, weil jener eine Affäre mit seiner Frau hatte. Obwohl Fedora somit nicht mehr um den treulosen Verlobten trauern muss, wird das Idyll des dritten Akts – im Berner Oberland – zum Alptraum: Loris erkennt in Fedora die Verantwortliche für den Tod seiner Liebsten, die impulsive Titelheldin nimmt Gift, erst der Sterbenden wird er verzeihen.
Man mag die Nase rümpfen über die raffiniert-sensationslüsterne Dramaturgie desselben Victorien Sardou, dem auch Puccini seine zwei Jahre später uraufgeführte «Tosca» verdankte. Aber trotz ihrer grellen Effekte lohnt die außerhalb Italiens kaum gespielte ...
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Opernwelt Mai 2015
Rubrik: Panorama, Seite 38
von Anselm Gerhard
Wenn es tagt, dann wendet sich auch der König der Sonne zu. Der Helligkeit, der Kraft, der Erkenntnis. Ein finales Dur-Aufgischten markiert die Lösung des inneren Konflikts, die Läuterung, das Heraustreten aus dem bisherigen Sein – und den Gegenpol zur dunklen Verführung zuvor. Eine Apotheose, in Nürnberg allerdings ein kurzer Schreckensmoment. Ein Scheinwerfer...
Und meine liebe Muse bleibt mir noch fern? Schweigend harrte ich ihres Besuches; durch Bitten wollte ich sie nicht beunruhigen. Denn die Muse, wie die Liebe, beglückt nur freiwillig. Wehe dem Toren, wehe dem Lieblosen, der, was sich freiwillig ihm nicht ergibt, mit Gewalt erzwingen will!»
So schreibt Richard Wagner im Mai 1857 an Mathilde Wesendonck, fünf Jahre...
«Darf ich das signieren?» Was für eine Frage. Aber natürlich. Wir bitten sogar darum. Wer weiß, wann wir Margarita Marinova noch mal treffen. In ihrem «Archiv», einem winzigen, über und über mit Aufführungsplakaten dekorierten Raum im zweiten Stockwerk des Plattenbaus gleich hinter der Oper. Einem unwirtlichen Kasten mit blinden Fenstern, verzogenen Türen und...
