Let’s make a musical!

Mailand | Britten: Peter Grimes

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Anachronismus ist nicht gleich Anachronismus: In den 1940er-Jahren bekannte Benjamin Britten einmal gegenüber seinem Kollegen Michael Tippett, dass es naiv und unzeitgemäß sei, das Metier eines Opernkomponisten auszuüben, zumal in Großbritannien.

Tatsächlich kann man sich kaum vorstellen, dass die Trickkiste traditioneller Opern-Topoi noch erschöpfender zu plündern ist, als Montagu Slater das für sein Libretto zu «Peter Grimes» getan hat: Da gibt es eine Gerichtsszene, eine Sturmszene, einen Gottesdienst, der samt Orgelspiel offstage abgehalten wird, ferner eine Tanzsuite und eine Wahnsinnsszene unmittelbar vor dem Finale. Und doch gelang es Britten, dramatische Konventionen, die bereits zu Donizettis Zeiten gang und gäbe waren, mit Elementen der Moralpsychologie und Sozialkritik so zu anzureichern, dass er ein zeitgemäßes Bild seiner Heimatregion an der Küste von East Suffolk zeichnen konnte.

Und dann ist da noch der Anachronismus des Regisseurs Richard Jones, dessen «Peter Grimes»-Inszenierung an der Mailänder Scala in einer trostlosen Vorstadt der 1980er-Jahre spielt und – mit Ausnahme einiger ausgestopfter Möwen auf den Dächern – zentrale Motive wie das Meer oder die für das ...

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Opernwelt Juli 2012
Rubrik: Panorama, Seite 53
von Carlo Vitali

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