Zur Sache, Schätzchen

Frivoles Raffinement, sprechende Musik: Antonio Cestis «L’Orontea» in Frankfurt am Main

Opernwelt - Logo

Die wohl bekannteste biografische Nachricht über den Barockkomponisten Antonio Cesti (1623-1669) besagt, dass der in päpstlichen Diensten Stehende um ein Haar exkommuniziert worden wäre, weil er einen Urlaub in Venedig überzogen und sich nicht rechtzeitig in den sixtinischen Hallen zurückgemeldet hatte; allein kaiserliche Protektion beschützte ihn vor weiterem Übel. Über diesen Fakt hätte er womöglich eine süffisante Buffa schreiben und die neu adaptierte venezianische Opernkunst bereichern können.

Darstellung von autoritärer Willkür und subtiler Intrigen-Mechanik müssen ihn beflügelt haben. Das darf man aus seinem Meisterwerk «L’Orontea» schließen, einem venezianischen Sujet aus der Librettistenhand Andrea Cigogninis, das bereits von anderen vertont war, bevor Cestis (ebenfalls aus Arezzo stammender) Dichterfreund Giovanni Filippo Apolloni den Text noch einmal für ihn überarbeitete. Uraufgeführt wurde das Werk 1656 aber weit weg von Venedig: am Hoftheater zu Innsbruck.

Anders als an den italienischen Höfen wurde in Innsbruck auch das «Volk» als Publikum zugelassen. Man könnte spekulieren, Cestis und Apollonis Sinn für «Realismus» habe sich dadurch inspirieren lassen. Indes war ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt März 2015
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Hans-Klaus Jungheinrich

Weitere Beiträge
Die französische Romantik lebt

In Verdis «Don Carlos» hat die Macht eine Stimme. Doch anders als der Großinquisitor bleibt sein französischer Verwandter Kardinal Richelieu in diesem Stück stumm – ein dunkler Fürst, der nun, provoziert vom Marquis de Cinq-Mars, für einen Zeithauch ins Wanken gerät. Einiges erinnert bei Charles Gounod an das Kräfteviereck im populären anderen Werk. Auch bei Gounod...

Dringlich, durchfühlt, klangsatt

Gewünscht hat sich Richard Strauss für die Uraufführung seiner «Vier letzten Lieder» die Sopranistin Kirsten Flagstad. Er wird an deren Glanzzeit gedacht haben. Als die Lieder in London uraufgeführt wurden, war Strauss tot und die Flagstad längst über ihrem Zenit. In Berlin musste sie, wenig später, sogar das erste, höchste weglassen. Plattenaufnahmen von Elisabeth...

Fragmente der Verzweiflung

Wie man aus einer wahren Begebenheit ein tragfähiges Musiktheaterstück formen kann, hat jüngst der britische Komponist Joby Talbot (*1971) mit seinem Opernerstling «Everest» gezeigt. Thematisch fühlt man sich erinnert an Christian Josts’ «Angst» (2005): Talbots siebzigminütiges Werk, kürzlich an der Dallas Opera zur Uraufführung gelangt (in Kombination mit dem...