Klarheit und Freiheit
Zwei unterschiedlich große, weiße Kreise werden auf die dunkle Bühnenwand projiziert, ein schwarzer Monolith bricht auf und offenbart im Inneren einen Diamanten. Robert Wilson schafft Bilder von rätselhafter Schönheit. Er verführt mit seinem fremden Blick. Er dehnt die Zeit und öffnet den Raum. Es verwundert, dass nach dieser grandiosen «Norma»-Premiere lautstarke Buhs zu hören sind, als der amerikanische Regisseur die Bühne des Zürcher Opernhauses betritt. Vielleicht befremdet seine Regiesprache den einen oder anderen Belcanto-Fan gerade durch ihr Anderssein.
Sie verweigert sich dem schnellen Zugriff, sie sperrt sich gegen eine klare Zuordnung, bleibt geheimnisvoll.
Man kennt sie mittlerweile, Wilsons weiß geschminkte Gesichter, die sanften Lichtwechsel und die unnatürlichen, stilisierten Bewegungen, die er den Solisten abverlangt. Nicht selten wirken seine Inszenierungen kalt und austauschbar, nicht selten sterben sie in Schönheit. Bei der Zürcher «Norma» ist das nicht so. Wilsons abstrakte Bilder passen gut zur rätselhaften Druidenwelt der von den Römern bedrohten Gallier. Die beiden Kreise zu Beginn erinnern an Sonne und Mond, die in der Oper für Krieg und Frieden, für männlich ...
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Opernwelt April 2011
Rubrik: Im Focus, Seite 14
von Georg Rudiger
«Gar viel und schön ward hier in dieser Halle von euch, ihr lieben Sänger, schon gesungen.» Den Begrüßungsworten des Landgrafen aus dem zweiten Akt von «Tannhäuser» möchte man hinsichtlich Bayreuths ein Fragezeichen hinzufügen: Viel ja, schön öfter – doch auch am besten? Dass sich auf dem Grünen Hügel die jeweils herausragenden Wagner-Sänger einer Generation...
Frau Magee, in ein paar Wochen geben Sie Ihr Bühnendebüt als Salome. Haben Sie schon Bauchtanz geübt?
Bis jetzt nicht – obwohl ich den traditionellen Bauchtanz sehr feminin und sinnlich finde. Aber meine Erfahrungen mit Tanzunterricht bestehen im Wesentlichen aus einigen Ballettstunden. Obwohl ich Tanz sehr mag, wird aus mir sicher keine Tänzerin mehr.
Salome-Darste...
Man mag Barrie Kosky für einen zuweilen leichtfertigen Regisseur halten. Aber kaum je für einen langweiligen. Mit dieser angelsächsischen Tugend könnte ihm noch einmal die Schlüsselrolle zufallen, aus den Einbahnstraßen eines inzwischen oft verbraucht wirkenden Regietheaters Auswege zu finden. Mit «Rusalka» jedenfalls gelingt ihm in Berlin nicht nur ein Votum für...
