Wenn die Puppen tanzen
Bei polyglotten Opernautoren wird die «Originalsprache» ungeachtet aller Übertitelungs-Fertigkeiten doch zum Problem. Zum Beispiel bei den frühen, außerhalb Russlands gestarteten Opernvorhaben Sergej Prokofjews wie dem «Feurigen Engel», der «Verlobung im Kloster» oder der «Liebe zu drei Orangen». Dieses buffoneske Märchen wurde 1921 in Chicago uraufgeführt, ist aber unverkennbar geprägt von der Theaterhandschrift des russischen Mit-Librettisten W. E. Meyerhold. Und es lebt und webt in der Sphäre des Commedia dell’arte-Erben Carlo Gozzi.
Italienisch, russisch, englisch? Das Nationaltheater zerhieb den gordischen Knoten der Sprachbedenklichkeiten und präsentierte das Werk auf Deutsch in einer (in erster Linie von der russischen Fassung inspirierten) Neuübersetzung von Werner Hintze, die dem Stück ein Optimum an Wortwitz und Skurrilität zuzumessen trachtet. Prokofjews international populäre Oper gehört wohl doch zu jenen Werken (wie «Zauberflöte» oder «Verkaufte Braut»), die um der prompten Wahrnehmung willen an die Verwendung der jeweiligen Landessprache appellieren.
Ganz elementar vom vorsprachlichen Spontan-Laut zehrt aber die berühmteste Szene der «Orangen»-Oper, wenn der lange in ...
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Opernwelt April 2014
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Hans-Klaus Jungheinrich
Lang ist das alles schon her: «Così fan tutte» gute acht, «Don Giovanni» sogar knappe elf Jahre. Und stilistischer Stillstand, das Ausruhen auf dem einmal Analysierten, das Zufriedengeben mit dem erfolgreich Erreichten wäre so ziemlich das Letzte, was man mit dem Workaholic Kirill Petrenko verbinden würde. Die Metamorphose verblüfft dennoch. An der Komischen Oper...
Jedes Jahr am 12. Oktober bekam der junge Mauricio Kagel in Buenos Aires Magengrimmen. Denn an diesem Datum feiert Argentinien die Entdeckung Amerikas mit einem «Día de la raza» («Tag der Rasse»), dem Kolumbus-Tag, einem chauvinistischen Fest zu Ehren der Kolonialisierung. Dies lag Kagel schon aufgrund seiner jüdisch-russisch-deutschen Herkunft stets stagelgrün...
Stimmiger könnte der Übergang vom Wagner- zum Gluck-Jahr kaum geraten als mit einer historisch informierten Aufnahme von Christoph Willibald Glucks «Iphigenie in Aulis» in der 1847 für das Dresdner Hoftheater entstandenen Bearbeitung von Richard Wagner. Eine absolute Novität präsentiert die von Christoph Spering geleitete Produktion freilich nicht. Wagners Fassung...
