Formidabler Kraftakt
Wohnt jedem Anfang ein Zauber inne? Mit der Wahl von Paul Hindemiths «Mathis der Maler» zum Auftakt ihrer ersten Saison an der Hamburgischen Staatsoper wollte Simone Young «ein Zeichen» setzen. Die Oper stelle die Frage «nach der Rolle des Künstlers in Politik und Gesellschaft» und danach, «welche Funktion die Kunst in einer Zeit ausübt, in der die Welt vor schwierigen Problemen steht».
Diesbezügliche Implikationen gibt es in Fülle: die Entstehungsgeschichte des Werks nach der Machtergreifung der Nazis, durch die der Komponist selbst zum leidenden Widergänger seines Protagonisten, des Malers Matthias Grünewald, wurde; die Angst oder die Einsicht des Künstlers im Dialog mit dem Bauernführer Hans Schwalb, dass ein Bild gemalter Heiliger die Welt nicht verbessere, und schon gar nicht jene, die sich die Köpfe einschlagen; der Zorn des Aufständischen darüber, dass «Recht nur der Reiche» hat. «Den armen Hansen darf jeder schinden. Wenn er nur immer wieder dem Fürsten und Pfaffen den Ranzen stopft» – das könnte zünden in Zeiten gesellschaftlicher Refeudalisierung, klänge es nicht gar zu plan und pathetisch nach den Parolen von Thesenträgern wie Gregor G. und Oskar L.
Dass die Oper trotz ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
So ereignet sich Opernglück. Man steht unter einem gemalten Himmel in einem klassizistischen Salon und blickt an Kristalllüstern vorbei in echten Himmel. Zarte Wolken türmen sich effektvoll, lassen dramatisch Sonnenstrahlen durch, die sich putzende Blesshühner bescheinen, welche im englischen Gartental vor Drottningholms Schlosstheater dösen.
Eine Wendung um 180...
«Ich stehe vor einem Wunder», soll Alban Berg geäußert haben, als er im März 1929 in Oldenburg die erste deutsche Produktion seines «Wozzeck» nach der Berliner Uraufführung von 1925 erleben durfte, und seitdem gilt diese Oper am Oldenburgischen Staatstheater als eine Art Vorzeigestück der Moderne. Ein Anspruch, dem die Neuinszenierung von Bruno Klimek in...
Die Masse torkelt. Es baumeln die Arme, es wippen die Knie. Thebens Volk scheint verzaubert. Gott Dionysos hat es verführt. Wie ein Chor aus Bhagwan-Jüngern zieht es dahin, und Dionysos, der rachsüchtige, hinterlistige Gott, trägt ein Dauergrinsen zur Schau. In Köln haben die «Bassariden» Einzug gehalten, und das erstmalig. Man hat sich für die revidierte Fassung...
