Lohnende Prüfung
Ernst Kreneks «Johnny spielt auf» und Erwin Schulhoffs «Flammen» in einer Spielzeit: Das Pfalztheater Kaiserslautern traut sich was. Eine Stückewahl, die man im nicht gerade theaterprallen Rheinland-Pfalz eher beim Mainzer Staatstheater vermuten würde. Und das auf teils sehr beachtlichem Niveau.
Die Grundprobleme, die Schulhoffs einzige Oper von 1929 an jede Aufführung stellt, sind freilich auch hier evident: Die expressionistisch-episodische Anlage dieser speziellen Don-Juan-Szenen macht eine schlüssige Umsetzung schwierig, bleibt auch in üppiger Bebilderung eine Herausforderung. Regisseur Urs Häberli erzählt detailreich, à la «Hoffmanns Erzählungen»: Sein Don Juan durchlebt im vielfach verwendbaren Bühnenbild von Thomas Dörfler diverse Phasen und Fantasien, La Morte ist stets dabei wie die Offenbach’sche Muse, drei der Frauenfiguren verschmelzen in einer Darstellerin.
Die apart in die dichte, spätromantizistische Partitur eingeflochtenen Mozart-Zitate, die sich Schulhoff gegönnt hat, finden sich auch in der Regie wieder, etwa wenn der Komtur wie ein Standbild aufgefahren wird. Zu den virtuosen Jazz-Implementen des Komponisten schimmern transparente Bühnenvorhänge, dahinter ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Hans Werner Henze konnte für die Münchener Biennale, sein 1988 gegründetes Festival für neues Musiktheater, gründlich «proben». In der Toskana hatte er 1976 den «Cantiere d’arte» (Kunstwerkstatt) ins Leben gerufen, den er fünf Sommer lang künstlerisch leitete und organisierte. Danach schuf er ähnliche Projekte in der Steiermark. Dann kam München und bot dem...
Anna & Rolando? Ach was, das «Traumpaar der Oper» heißt Patrice & Pierre! Man muss Chéreau und Boulez nur ein paar Sekunden auf der Probe zusehen, um das kongeniale An-einem-Strang-Ziehen zweier Großmeister zu erleben. Hätten manche ihrer Kollegen nur halb so klare Ideen, nur einen Hauch solch visionären Pragmatismus: Das Musiktheater stünde anders da, als es das...
Die Szene: eine Gitterkonstruktion auf zwei Etagen, eine Treppe, Flure, Türen, die szenische Abbreviatur des Hochhauses, in dem das Stück spielt. Im Bühnenvordergrund das Zimmer Franziskas, der Hauptfigur, mit ein paar zerschlissenen Möbelstücken angedeutet. Weitere Spielorte werden lediglich durch Requisiten markiert. Die Zuordnung der Räume wirkt beliebig. Wer im...
