Unter Paul Klees Sternen
Roman Brogli-Sacher, Lübecks seit Neuestem auch Regie führender GMD, ist nicht der Erste, der die Korrespondenz der «Salome»-Partitur zur bildenden Kunst entdeckt hat, aber er hat mit dem von Ulrike Radichevich zum Bühnenbild umfunktionierten Gemälde «Ad Parnassum» von Paul Klee eine besonders überzeugende Trouvaille vorgestellt: ein Bild von einer die Musik gleichsam ins Optische umsetzenden differenzierten Farbigkeit, abstrakt in seiner Grundanlage, aber doch Möglichkeiten zu konkreten Assoziationen bietend, die – wie die bildbeherrschende Gestirnsscheibe – eine Verbindung herst
ellen zu Oscar Wildes Libretto.
Statt nun aber aus diesem neu gewonnenen bildnerischen Ansatz Kapital zu schlagen für die szenische Umsetzung des Werks, lässt Brogli-Sacher das Stück in altgewohnter Gestik ablaufen. Er buchstabiert es sozusagen textgetreu durch, nicht ohne dass ihm dabei Biederes, Spannungsloses, bisweilen Peinliches unterläuft: Wie etwa Salome, Jochanaans Leib begehrend, den Propheten umhüpft, das grenzt schon fast an unfreiwillige Komik, und wie sie, mit Schleiern behängt, die Hüften wiegend, zu ihrem berühmten Tanz antritt, passt eher zur satirischen Sicht der Kálmán’schen «Bajadere» ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Bis heute ist er umstritten. In Jürgen Kestings neuer, zweieinhalbtausend Seiten umfassender Ausgabe von «Die großen Sänger» sind Max Lorenz gerade mal eineinviertel Seiten gewidmet. Unter der Überschrift «Hitze und Hysterie» heißt es, sein Singen habe «den Charme des Kasernentons». Und dann wird Hitlers Parade-Siegfried mit einem einzigen Satz vernichtet: «Es gibt...
Eines der markanten Merkmale des Mannheimer Nationaltheaters sind die Logenbalkons aus rohem Sichtbeton, die im Laufe der Jahre schmuddelig und dunkel geworden sind. Ob sich Regisseurin Monique Wagemakers und Bühnenbildner Thomas Rupert für ihre Deutung der «Ariadne auf Naxos» von dieser Architektur haben inspirieren lassen, sei dahingestellt. Wenn der Vorhang...
In der stattlichen Diskografie von Puccinis «Madama Butterfly» nehmen die Produktionen der EMI vordere Plätze ein. Fast unerreicht in ihrem unsentimentalen, fast schroffen Habitus ist Gianandrea Gavazzenis Mono-Einspielung von 1954 mit Victoria de los Angeles und Giuseppe di Stefano. Herbert von Karajans klangsinnlichere Version aus dem folgenden Jahr, mit Maria...
