Ausgebremst
Violetta und Alfredo fristeten ihr beschauliches Landleben vor den Toren von Paris sicher nur in relativer Bescheidenheit. In Tom Cairns’ unaufgeregter, dezent in die Gegenwart geholter «Traviata» leben sie üppig: Die Bühnen- und Kostümbildnerin Hildegard Bechtler bettete Verdis Schlüsselszene im zweiten Akt in eine malerisch bewaldete Parklandschaft in bester Glyndebourne-Idyllik und schneiderte den Protagonisten dekorative Garderobe auf den Leib. Das alles sieht sehr gut aus.
Einblicke in die Seele, psychologisch motiviertes Spiel und dezidierte Personenführung bleiben von der Regie dagegen unterbelichtet: Dass und wie hier drei Menschen (Violetta, Alfredo und Germont père) ihrer innersten Gefühlsregungen gewahr werden – Cairns vermag die Zuspitzung, auf die es in der «Traviata» doch entscheidend ankommt, nicht recht zu vermitteln, so dass die Regungen und Reaktionen der Darsteller weitgehend ohne erkennbaren Bezugsrahmen bleiben. Auch die allzu routiniert-glatte Bewegungsregie der Choreografin Aletta Collins in den Massenszenen ändert daran nichts.
Michael Fabiano ist ein schneidiger, attraktiver Alfredo, richtet seine gesanglichen Absichten allerdings mehr ins Publikum als an ...
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Opernwelt September/Oktober 2014
Rubrik: Panorama, Seite 53
von Tom Sutcliffe
In den 1950er-Jahren ließ der Wiener Chansonnier Hermann Leopoldi im Liede einen wegen nächtlicher Ruhestörung eingebuchteten «stillen Zecher» jammern: «Geh’n S’ nur in d’ Oper rein – dort singen d’ Leut’ viel lauter noch, aber die sperrt keiner ein.» Man sieht, das Missverständnis, Lautstärke sei eine Qualität des Operngesangs, ist nicht neu. Schon Verdi hat...
Es bietet sich ja wirklich an. Mit großer Geste schwingt die Treppe den Berg hinauf, wie von Skylla und Charybdis flankiert, vom Dom links, von der Sankt Severi Kirche rechts. Man muss schon blind sein, um die Eignung dieses Ortes als Bühne nicht zu erkennen.
Schon wenige Jahre nach der Wende, 1994, hat das Theater Erfurt damit begonnen, hier im Sommer die...
Seit seiner Gründung vor 40 Jahren konzentriert sich das Festival della Valle d’Itria auf die Wiederentdeckung selten gespielter Werke des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts sowie die Ausgrabung vergessener Barockpartituren – mit besonderem Augenmerk auf apulischen Komponisten wie Leonardo Leo, Tommaso Traetta, Nicola Piccinni, Giovanni Paisiello u. a., die...
