Surreale Reise

Soeren Voima schickt «Don Quijote» auf die leer geräumte Bühne des Weimarer Nationaltheaters

Opernwelt - Logo

Das Autorenkollektiv Soeren Voima grenzt sich vom «Theater der großen Texte» ebenso ab wie vom kritischen Theater mit seinem «leer laufenden Protestier­ges­tus», der «die soziale Realität nur klischeehaft wiedergibt». Der Stoff des Stückes «Herr Ritter von der traurigen Gestalt», Anfang 2006 am Staatstheater Stuttgart uraufgeführt, ist mit Bedacht gewählt.

Cervantes’ Don Quijote alias Herr Ritter, Filialleiter im Ruhestand, zeigt den Dramatikern wie von selbst den Weg, auf dem sie die Probleme deutscher Theaterpraxis elegant umschiffen und doch zur Realität Stellung beziehen können. «Die größte Kunst besteht darin, ohne Grund unsinnig zu werden», lautet der wohl berühmteste Satz der Romanvorlage.
Dass Don Quijote stets eine als Ro­man­held verkappte Theaterfigur zu sein schien, deren Traumwelt in ihre vom Realitätsprinzip durchdrungene Umgebung hineinschwappt, hat in allen Zeiten zu immer neuen Theater­adaptionen geführt. Ein edler Ritter in einer gänzlich unritterlichen Welt: Es muss das tendenziell Surreale der Figur sein, welches Theater- und Opernmacher (Purcell, Paisiello, Telemann, Massenet) vieler Epochen faszinierte. Mit der Poetisierung der Wirklichkeit steckt der ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt September/Oktober 2007
Rubrik: Magazin, Seite 61
von Matthias Nöther

Vergriffen
Weitere Beiträge
Wenn Blut zu Blüten wird

Dafür dass man die Zürcher Tonhalle nicht mehr in ers­ter Linie als klassizistischen Musentempel erlebt, sondern als Sinnbild für frisches Musizieren, hat ­David Zinman mit seiner Quirligkeit ­gesorgt. Aber sein Kollege Muhai Tang setzt noch eins drauf: Als Chefdirigent des Zürcher Kammerorchesters setzt er in seiner ers­ten Saison bereits mit dem Mini-Festival...

Das unmögliche Traumpaar

Ein «Traumpaar der Oper» wie in unseren Tagen Anna Netrebko und Rolando Villazón waren sie gewiss nicht. Wenn der «Löwe» und die «Tigerin» in einem Käfig, sprich: auf der Opernbühne aufeinander trafen, dann war eine Stimmung im Auditorium wie in Schillers be­rühmter Ballade «Der Handschuh». Die damals florierende Schallplatten-Indus­trie hat sie fein auseinander...

Angst- und Wunschtraumzauber

Angst- und Wunschtraumzauber

Wie Katharina Wagner und Robert Sollich bei den «Meistersingern» neue Hörperspektiven schaffen

chuhe sind normalerweise nicht das, worauf es bei einer Opernaufführung ankommt. Jedenfalls nicht auf der Bühne. Von den Choristen hat jeder zwei, drei Paar in der Garderobe. Das reicht aus, um vierhundert Jahre Operngeschichte zu durchqueren....