Spiesserglück
Die Janácek-Renaissance geht weiter: Seine Opern erobern sich nach und nach den Platz, der ihnen im Repertoire gebührt, und das gilt nicht nur für «Jenufa». Auch kleinere Häuser mischen mit. Selbst vor einem lange als überkompliziert geltenden Stück wie «Die Ausflüge des Herrn Broucek» machen sie nicht mehr halt. Nun hat das Theater Trier sich an die verschachtelte Gesellschaftssatire getraut – und kann einen Erfolg zur rechten Zeit verbuchen: Nach den bislang eher zwiespältig aufgenommenen Opernproduktionen unter der neuen Intendanz von Karl M.
Sibelius ist der Regisseurin Jasmina Hadziahmetovic mit «Broucek» eine durchdachte, publikumsfreundliche Inszenierung gelungen.
Mathias Broucek (in Trier wird die deutsche Fassung gegeben) ist der unfreundliche Typ von nebenan. Sein Horizont reicht nicht viel weiter als bis zur Wölbung seines prallen Bauchs. Ein Spießer, der sich selbst auf Traumreise treu bleibt – ob es nun zum Mond geht oder ins frühe 15. Jahrhundert, die Zeit der Hussiten-Kriege. Stets hat Broucek nur das eigene Wohlergehen im Sinn. Die Szenenwechsel erfolgen in Trier ohne großen Aufwand, gleichsam poetisch reduziert: Zunächst lernen wir Broucek in einer Hütte kennen, ...
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Opernwelt Juni 2016
Rubrik: Panorama, Seite 55
von Claus Ambrosius
Wer heute im Reich der Toleranz wandelt, dürfte eher Schattengestalten begegnen, wogegen im Land der irrationalen Wut gegenüber Anders-Denkenden/Gläubigen heilloses Gedränge zu herrschen scheint. Wie nähert man sich unter solchen Vorzeichen den Idealen der Aufklärung? Wie zeichnet man Selim, den Pascha, der weise ist wie Lessings Nathan und im Vergeben großherzig?...
Philippe Boesmans ist nicht der erste, aber der bislang erfolgreichste Komponist, der Arthur Schnitzlers «Reigen» auf die Opernbühne brachte. Das «erektiefste» Stück , so das Bonmot des Schnitzler-Freundes Richard Beer-Hofmann, das bei seiner Uraufführung einen Theaterskandal auslöste, bietet mit seiner Variationsstruktur des Immergleichen – zehn Paare finden sich...
Die Vergangenheit schien lange Zeit rosig. Karl Goldmarks «Königin von Saba» aus dem «Carmen»-Jahr 1875 war viele Jahre ein großer Erfolg. Dann geriet sie in Vergessenheit, erst allmählich kehrt sie auf die Spielpläne zurück: 2002 in Mannheim, 2015 in Freiburg. Diese letzte Produktion (siehe OW 6/2015) liegt nun auf CD vor. Während man für die Aufführungen im...
