Soundscapes
Dass Na’amer Zissers «Mamzer Bastard» in Hackneys Empire gegeben wird, ist kein Zufall: In diesem Ostlondoner Bezirk lebt die größte chassidische Gemeinschaft Europas. Die israelische Komponistin – Stipendiatin der Londoner Royal Opera und Guildhall School of Music – verquickt traditionelle chassidische Melodien mit dem eigenen Idiom. Auch das Libretto ihrer Schwägerin Samantha Newton und Schwester Rachel spiegelt in wiederkehrenden Textpassagen den rituellen Charakter. Mit Netanel Hershtik steht als David sogar ein echter Kantor auf der Bühne.
Der junge Orthodoxe Yoel wird vor seiner Hochzeit von Zweifeln geplagt. In der durch einen stadtweiten Stromausfall verursachten Finsternis rettet ihm ein Fremder das Leben. Er entpuppt sich als der totgeglaubte erste Ehemann von Yoels Mutter – Yoel wurde nach ihm benannt. Da diese erste Ehe der Mutter nie geschieden wurde, ist Yoel (und jeder seiner Nachkommen) ein «Mamzer» und darf eigentlich nicht heiraten. Er tut es trotzdem – und bricht damit den Bann.
Warum die Handlung auf das Drama des New Yorker Blackouts 1977 angewiesen ist, erschließt sich nicht recht. Das äußere Chaos (in Form verrauschter Radionachrichten) kann nicht darüber ...
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Opernwelt August 2018
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Wiebke Roloff
Da sitzt er an der Orgel, im ersten Theater auf diesem Grund.» Der Operndirektor der Londoner Royal Opera schreitet sein Büro ab und erzählt von einer geplanten Händel-Serie. Die Bilder hat Oliver Mears sorgsam ausgewählt: Sie sagen viel aus über ihn, seine Suche nach einem Profil für Covent Garden. «Beggar’s Opera», Theaterbrand, Wiederaufbau. Mears...
Gefühlt hätte der Stoff für zwei, drei Opern gereicht. Doch Rodolphes Vernarrtheit in Agnès, die seinen Bruder heiraten muss, das Auffliegen dieser Liebe, Rodolphes Verbannung – all das geschieht im ersten Akt von Gounods «Nonne sanglante». Da gespenstert die blutige Gottesbraut noch gar nicht durch die Gänge. Agnès soll als besagte Nonne verkleidet fliehen....
Zweieinhalb pausenlose Stunden dauert die Vorstellung von Sergej Prokofjews «Spieler» im Antwerpener Opernhaus, und auf der Bühne gibt es nur Verrückte. Die Emotionen der Spielsüchtigen von Roulettenburg kochen permanent über. Deshalb fließt das bernsteingoldene Palm Royale bei der Premierenfeier danach wohltuend durch die Kehle. Auch Aviel Cahn, der Intendant...
