Apropos... Zukunftsmusik
Herr Ott, Sie lassen alles machen: Volksmusik, Installationen, eine rätoromanische Lesung, Literaturopern und Projekte, die a priori zu beschreiben schwerfällt.
So kann man es zusammenfassen. Diese Vielfalt ist nicht Zufall, sie ist Absicht.
Unter Ihren Vorgängern Hans Werner Henze und Peter Ruzicka vertrat die Biennale einen Werkbegriff, suchte nach neuen, kanonfähigen Stücken, die auch außerhalb des Festivals in anderen Inszenierungen nachgespielt werden könnten.
Genau.
Ein Lieblingsspruch von Manos ist: Wir wollen das eine tun und das andere nicht lassen. Also sprich: Was unsere geschätzten Vorgänger aufgebaut haben, die klar das Staatstheater im Blick hatten und dem Opernrepertoire neue Werke zuführen wollten, wollen wir auf keinen Fall aufgeben. Aber das ist nicht alles, was für uns heute unter Musiktheater läuft. Uns war wichtig, die ganze Fülle der Ausformungen, was heute Musiktheater sein kann, zuzulassen, bei aller Widersprüchlichkeit der Formen.
Trägt Ihre Biennale dennoch etwas zum Kanon bei?
Ich würde sagen, die Hälfte der 15 Arbeiten, die wir präsentieren werden, kann anderswo wieder aufgenommen werden. Es gibt auch fünf, sechs Koproduktionen, die ohnehin nachgespielt ...
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Opernwelt Juni 2016
Rubrik: Magazin, Seite 87
von Egbert Tholl
Nicht wenige Opern sind durch Muster-Interpretationen in ihrer Rezeption gebremst worden: Den «Rosenkavalier» überzog das Dresdner Uraufführungsmodell von Max Reinhardt und Alfred Roller mit einem Barock-Firnis, gegen den ein halbes Jahrhundert kein Kraut gewachsen schien; Bernsteins «West Side Story» war in Jerome Robbins’ Broadway-Kreation ähnlich sakrosankt....
Knapp vorbei ist auch daneben. 1921 schrieb Arnold Schönberg in einer kleinen Festschrift zum Geburtstag seines Lehrers, Freundes und Schwagers Alexander Zemlinsky: «Zemlinsky kann warten.» Warten musste dieser in der Tat: Die Uraufführung seiner Oper «Der Traumgörge» ging erst 1980, mit gut 75 Jahren Verspätung, in Nürnberg über die Bühne.
Schönberg hatte das...
Aufgrund welcher Verkettungen und Missionen die «Decca» – opernaktiv sonst nur im Bereich Alter Musik und für Cecilia Bartoli – bei «L’Aiglon» sogar ein Label-Debüt von Operndirigent Kent Nagano arrangierte, gibt Rätsel auf. Man könnte es als Naganos Operetten-Debüt betrachten: «L’Aiglon», komponiert 1937 als Gemeinschaftsarbeit von Arthur Honegger und Jacques...
