Himmelwärts
Nun öffne sich der Himmel, und ihrem Sehnen erstrahle das Licht der Ewigkeit», schwärmt Hans Castorp, als er einer Grammophonplatte mit dem Finalduett aus Verdis «Aida» lauscht.
Was Thomas Mann seinem «Zauberberg»-Lehrling vor 85 Jahren in den Mund legte, hat der britische Regie-Routinier Graham Vick auf der Bregenzer Seebühne nun wörtlich ins Bild gesetzt: In einer Holzbarke gleiten Aida und Radames am Ende ihrer unmöglichen Love Story über das Wasser, um schließlich, von einem Baukran in schwindelnde Höhen gezogen, samt Boot in die schwarze Nacht über dem Bodensee zu entschweben: «O terra, addio». Und Carlo Rizzi schwört dabei die aus dem Festspielhaus live zugeschalteten Wiener Symphoniker so wunderbar auf jene pianissimo verhauchende Ges-Dur-Intimität ein, die den Weltabschied des sterbenden Paares begleitet, dass zwischen den azurblau gepinselten, bronzesternflammenden Monumentalkulissen von Paul Brown ein wahrhaft poetischer Moment entsteht – ein Moment des staunenden Innehaltens, des sentimentalen Mitgefühls, das rund 7000 Premierengäste still verharren lässt, bis der allerletzte Ton verhallt und die Himmelfahrt ins Ziel gekommen ist.
Verdis quotenträchtiges Ägypten-Drama, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Wer zwischen München und Zürich Oper erleben möchte und bislang in Bregenz Station machte, kommt künftig am kleinen St. Gallen nicht vorbei: In der Ostschweiz finden seit nunmehr vier Jahren die St. Galler Festspiele statt, die ihren Kinderschuhen längst entwachsen sind. Einen einmaligen Schauplatz besitzt das 14-tägige Festival in dem Klosterhof vor der St. Galler...
Mit dem Logo «OH!» – rote Großbuchstaben im roten Kreis – versucht die schwäbische Kreisstadt Heidenheim (50 000 Einwohner) Musikfreunde aus allen Regionen zu ihren Opernfestspielen zu locken, die seit den frühen siebziger Jahren im offenen Rittersaal auf Schloss Hellenstein stattfinden. Ein respektvolles «Oha!» kann sich auch der aus der Hauptstadt angereiste...
Die keusche Jungfrau kommt von rechts. Irrlichternd ihr Blick, ängstlich an den Körper gepresst Hände und Gebetbuch, unsicher der Gang. Kein Zweifel, sie fühlt sich unwohl in diesem Umfeld, inmitten der Heiden, unfrei, beklommen. Zum Glück ist da ein Stuhl, er bietet Schutz, aber nur für Sekunden. Denn sofort nimmt direkt neben ihr breitbeinig der römische...
