Von malerischer Gewalt
God save our gracious Queen. Aus dem Schaufenster eines Souvenirladens an der Piazza von Covent Garden sehen wir im Vorbeigehen die Königin winken, ein putziges Figürchen, angetrieben über eine Solarzelle; das Winken scheint daher endlos, vielleicht noch mal eine diamantene Spanne lang. Im Royal Opera House blicken wir dann auf die andere Langzeitdienerin am britischen Volk und Vaterland: Vom Fries überm Proszenium grüßt Victoria, die ihrer Urenkelin Elizabeth II. um ein paar Jahre der Regentschaft voraus ist. Noch.
Aber auch Dido, die mythische Herrscherin von Karthago, blickt (trotz ihres Bühnensuizids) in London auf ein langes Leben zurück. Mit der aktuellen Neuproduktion an Covent Garden fehlen ihr gerade mal fünf Jahre zu ihrem Diamond Jubilee. 1957 brachte die Royal Opera jene denkwürdige, nur leicht eingestrichene Gesamtaufführung von Berlioz’ «The Trojans» (damals noch in Englisch) mit dem Dirigenten Rafael Kubelik und in der Inszenierung des Schauspielmannes John Gielgud zustande, die der Rezeption des Werks weltweit neue Impulse gab. 1969 folgte die noch legendärere Produktion von «Les Troyens» unter Colin Davis, mit Jon Vickers (der den Aeneas schon unter Kubelik gegeben ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt August 2012
Rubrik: Im Focus, Seite 6
von Gerhard Persché
Bevor er sich Ende der 60er-Jahre ganz von der Oper abwandte, war Carlo Maria Giulini nicht nur ein Experte in Sachen Mozart und Verdi, sondern unzweifelhaft auch der beste Rossini-Dirigent seiner Zeit. Dennoch hat er dessen Hauptwerk, «Il barbiere di Siviglia» nie im Studio aufgenommen. Es existieren allerdings Mitschnitte einer italienischen Fernsehproduktion von...
Man reibt sich die Augen, wenn man Antonio Ghislanzonis Libretto «Salvator Rosa» (1874) liest. Die Revolutionsgeschichte des historisch beglaubigten Malers Salvator Rosa, den es 1647 in den neapolitanischen Fischeraufstand unter Masaniello verschlägt (siehe «Die Stumme von Portici»), beginnt wie «Tosca», ähnelt dann eine Zeit lang Verdis «Don Carlo»...
Bekanntlich leidet die Neue Musik darunter, wenn sie von Interpreten, die in der klassischen Vokalmusik nicht reüssieren konnten, als Refugium aufgesucht wird. Ohne das «über die Wiedergabe hinausgehende, selbstständige Moment der vokalen Sprache beim Interpreten ist gerade die Objektivität des Werkes nicht zu realisieren». Bestätigt wird diese Überlegung Adornos...
