Überzeitlich, bewegend
Schon seit Längerem zerfließen die Grenzen zwischen traditioneller und historisch informierter Aufführungspraxis von Musik zugunsten eines dritten Weges, der Elemente beider Interpretationsansätze miteinander verbindet. Die Berliner Barock Solisten stehen geradezu beispielhaft für die heute schon fast selbstverständliche Offenheit und Flexibilität, mit der herausragende Musiker sich auf Werke unterschiedlicher Epochen und Stile einzustellen vermögen. Ähnliches gilt für die Sopranistin Christine Schäfer, deren Repertoire von außergewöhnlicher stilistischer Bandbreite ist.
Bereits zum Händel-Jahr 2009 hatten die Berliner Barock Solisten und die Sängerin sich zu einem «Alcina»-Projekt zusammengetan, für ihre jüngste gemeinsame Produktion haben sie sich mit drei Kantaten Johann Sebastian Bachs auseinandergesetzt.
Bei Christine Schäfer sind charakteristische Merkmale des dritten Weges auszumachen: Ihre Stimme ist zwar im Laufe der Jahre dunkler und klanglich üppiger geworden, hat aber nichts von ihrer Beweglichkeit eingebüßt. Die Sängerin artikuliert genau und differenziert, ohne indessen jene Eloquenz anzustreben, wie sie für Vertreter der historischen Aufführungspraxis typisch ist. ...
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Opernwelt Dezember 2013
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 24
von Thomas Seedorf
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An der Längswand des von Alban Ho Van auf die Bühne der Oper zu Lyon gebauten modern-zeitlosen Refektoriums steht das Motto «Nous avons cru à l’amour de Dieu pour nous» («Wir haben an die Liebe Gottes zu uns geglaubt»): ein Satz wie in Asche liegend, zugleich ein verborgen glühender Text. Er nimmt das Sterben der Alten Priorin vorweg, ihr entsetztes «Dieu nous...
Fast ein Jahrzehnt ist es nun her. Aus der Übersättigung mit Händel & Co., angerichtet meist als pikantes, hochkalorisches Menü, wurde eine Hungerkur: München zählte wieder zur Barock-Diaspora – auch weil mit Nikolaus Bachler an der Bayerischen Staatsoper ein Intendant ans Ruder kam, der dem Repertoire vor Mozart wenig abgewinnen kann. Dabei bieten sich Spielorte...
