Wahrheit existiert nicht mehr
Die Tendenz ist offenkundig: Viele junge Regisseure, Regie- und Bühnenbildstudierende haben kaum Interesse daran, die bekannten rund sechzig Opern einfach weiter auszupressen, auf der Suche nach einem neuen Sinn. Andererseits: Die Oper fasziniert. Dass sie mit dem Leben hier und heute nichts oder nur wenig zu tun hat, das will eigentlich niemand wirklich akzeptieren.
Welche Wege gibt es, unter solchen Voraussetzungen mit der Oper umzugehen? Und was kennzeichnet die Selbstwahrnehmung und Weltwahrnehmung der «Jungen»?
Weil sie keine klar definierten Feindbilder mehr haben und nicht mehr in den lange üblichen Täter/Opfer-Strukturen denken, darf man von den jungen Regisseuren keine großen, lauten Gesten des Protests erwarten. Sie wollen nicht mehr im herkömmlichen Sinn Stellung beziehen. Das bedeutet jedoch keine Gleichgültigkeit gegenüber politischen oder sozialen Missständen, sondern eher Zweifel, was und wie und ob überhaupt etwas bewertet werden soll und kann. Vor allem zweifeln die Jungen an sich selbst. Ein Rest an geborgten Verhaltensmustern aus Zeiten, in denen die Generation ihrer Eltern (auch via Regie) Fundamentalkritik am kapitalistischen System betrieben hat, lässt sie die ...
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Krisenstimmung bei den Berliner Philharmonikern: Da bieten die Musiker und ihr Chefdirigent Simon Rattle im Stammhaus ein «Best of» aus Richard Wagners «Götterdämmerung» an – und eine Woche vor dem Konzert sind erst 80 Prozent der Tickets verkauft! Wo sich andere Orchester entspannt zurücklehnen, beginnen die Philharmoniker zu grübeln. Wie erklärt sich die...
Die Zweifel, die Händel-Forscher Rainer Heyink im Booklet der Neueinspielung am mutmaßlichen Auftraggeber des «Rodrigo» äußert, scheinen nur allzu berechtigt: Sollte der toskanische Großherzog Ferdinando de Medici wirklich eine Oper bestellt haben, in der ausgerechnet der Herrscher als ziemlicher Versager porträtiert wird? Bei der Florentiner Uraufführung 1707...
Wenn man von Vilnius kommt, erhebt sich die mittelalterliche Wasserburg Trakai mit ihren Dornröschen-Türmen wie im Märchen aus dem sanft umwaldeten Galve-See. Hier könnte sich der Prolog von Amilcare Ponchiellis Historienoper «I Lituani – Die Litauer» (1874) zugetragen haben. Die drei folgenden Akte spielen 500 Kilometer westlich auf der Marienburg bei Danzig....
