Chapeau!
Trotz Nellie Melba und Joan Sutherland gilt das Land der Kängurus und Koalas in Europa nicht gerade als Eldorado des Musiktheaters. Die Fähigkeiten der Pinchgut Opera aber dürften sich inzwischen herumgesprochen haben: Die private Kompanie präsentiert seit ihrer Gründung 2002 alljährlich die vollszenische Produktion einer Oper aus dem 18. Jahrhundert und stützt sich dabei auf das unter der inspirierenden Leitung Antony Walkers kompetent und klangvoll auf historischen Instrumenten spielende Orchestra of the Antipodes.
Schon nach wenigen Minuten sind wir gebannt vom musikalischen Drive und dramatischen Atem dieser Live-Aufnahme von Glucks letzter Reformoper «Iphigénie en Tauride» (siehe auch OW 2/2015). Walker akzentuiert die ausdrucksstarke Gebärdensprache von Glucks klassizistischer Größe. Gleich in der einleitenden Sturmszene zeigt er, wie vollblütig, ja theatralisch er diese strenge Musik zu verlebendigen versteht. Er findet aber auch Zugang zur sublimen Empfindsamkeit und herben Menschlichkeit, die unter der Oberfläche dieses Dramas glühen. Nicht zuletzt weiß er die Rezitative mit Spannung zu erfüllen. Dabei kann er sich, neben dem präzise und klangschön agierenden Cantillation ...
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Opernwelt April 2016
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 22
von Uwe Schweikert
Mozart und die Familie Weber – das Thema fasziniert seit jeher vor allem die populärwissenschaftliche Mozart-Literatur. Mit Aloysia Weber verband Mozart eine
Jugendliebe, Constanze Weber wurde seine Frau, Josepha Weber, verheiratete Hofer, war die erste Königin der Nacht. Alle drei Frauen hinterließen Spuren nicht nur in Mozarts Leben, sondern auch in seinem Werk....
In der Kurzgeschichte «Dog Days» erzählt US-Autorin Judy Budnitz auf nicht einmal acht DIN A4-Seiten vom Zerfall aller staatlichen und gesellschaftlichen Ordnung. Das Desaster schleicht sich an mit Wirtschaftskrise und Massenarbeitslosigkeit, es folgen Obdachlosigkeit und Flucht. Nach und nach bricht die Versorgung mit Strom, Kraftstoff, Lebensmitteln ein, während...
Das Wort «Sanierung» hat mittlerweile den Beigeschmack der Katastrophe – dafür sorgen Beispiele wie die Kölner Oper oder die Berliner Lindenoper. Jetzt muss auch das Grand Théâtre de Génève hergerichtet werden. Intendant Tobias Richter hat im Laufe seiner Karriere bereits eine Baustelle nahezu unbeschadet überstanden. Als Chef der Deutschen Oper am Rhein löste er...
