Schöne falsche Welt

Frank Beermann und Walter Sutcliffe setzen Zemlinskys «Zwerg» in Chemnitz ein opulentes Denkmal

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Riesige Geschenkschachteln in Rosarot und Himmelblau stehen überall herum. Sie bilden das szenische Fundament der Chemnitzer Neuproduktion von Alexander von Zemlinskys Einakter «Der Zwerg». In diese nicht nur räumlich, sondern auch ideell begrenzte, scheinbar makellose Welt passt einer wie er einfach nicht hinein: Kleinwüchsig und missgestaltet ist dieser Zwerg, ein Außenseiter in wild gemustertem Anzug, mit ungestüm aufragendem Rotschopf.

Sein Anderssein erkennt er nicht – und kann deshalb auch das Spiel nicht durchschauen, das die moralisch skrupellose Hofgesellschaft um Prinzessin Clara mit ihm treibt. In sie verliebt er sich und glaubt sich auch von ihr geliebt. Am Ende – wenn er vergebens um Liebe fleht –, wird die Täuschung offenbar, und der Gedemütigte geht daran zu Grunde.

Alexander von Zemlinsky – DER ZWERG from Theater-TV on Vimeo.

Wann gilt ein Mensch als schön? Was als schön gilt, wird im Kern über historisch wandelbare, gesellschaftliche Normen definiert – häufig das, was mehrheitsfähig ist. Alexander von Zemlinsky verewigte in diesem Werk eigene seelische Verwundungen, die ihm als junger Kompositionslehrer von Alma Schindler zugefügt wurden. Er war damals auf beinah ...

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Opernwelt Januar 2016
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Bettina Volksdorf

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