Höllenfahrt mit himmlischen Tönen

Jürgen Kesting über Nikolaus Lehnhoffs «Rigoletto»-Inszenierung in Dresden mit Juan Diego Flórez, Diana Damrau und Zeljko Lucic

Opernwelt - Logo

Quelvecchio maledivami – der Fluch des Monterone trifft Rigoletto schon wäh­rend des kurzen Vorspiels, wenn er aus dem Kasten des Souffleurs klettert und einen grünen Overall über seinen Stra­ßenanzug zieht. Er schminkt sich und setzt sich das Signum seiner Arbeit auf: die Narrenkappe. Seine Wirkungsstätte – «eine prachtvolle Halle im Palazzo des Duca di Mantua» (Szenenanweisung) – ist ein bedrohlicher Raum mit schwar­zen Wänden: eine Hölle der Gehörnten.

Sie alle sind die Opfer der erotischen Gier und Unersättlichkeit, die der Herzog in seiner Ballata besingt, und alle sind sie dadurch auch zu Teufeln geworden. 
Dies der Auftakt von Nikolaus Lehnhoffs glanzvoll besetzter Dresdner Inszenierung von Verdis «Rigoletto» unter der packenden musikalischen Leitung von Fabio Luisi. Der Hof des Duca di Mantua erscheint als eine kalt-bedrohliche Lusthölle, in der laszive Frauen sich barbrüstig exhibitionieren und makabre Tierwesen umhergeistern wie die Maskenfiguren in Stanley Kubricks «Eyes Wide Shut». Aus dieser Welt der Obsessionen und der bizarren Rituale kehrt Rigoletto zu­rück in ein anderes Gefängnis: eine leere Kammer, in dem er seine Tochter vor der Welt verborgen hält. Hier wird ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2008
Rubrik: Im Focus, Seite 6
von Jürgen Kesting

Vergriffen
Weitere Beiträge
Männerfreundschaft

Für einmal macht Triquet keine graziösen Faxen, sondern stürmt und drängt, führt quasi die Leiden des jungen Werther vor. Am Schluss seiner Couplets schenkt er Tatjana, die er offenbar tief verehrt, eine dunkle Blume – jene Blume des Abschieds vielleicht, von der Rilke sagt, sie blühe irgendwo und streue «immerfort Blütenstaub, den wir atmen, herüber; auch noch im...

Abschiedsstück

Paolo Carignanis letzte Premiere nach neun Jahren als GMD der Frankfurter Oper stand unter keinem guten Stern. Vor der «Fidelio»-Premiere hatte sich der Dirigent nicht nur von der ihm angeblich aufgezwungenen Produktion distanziert – offenbar wäre ihm eine Verdi-Oper zum Abschied lieber gewesen. Obendrein stellte er mit drastischen Worten öffentlich klar, dass das...

München im Licht

München leuchtete, wie Thomas Mann mit süffisanter Euphorie notierte, oder zumindest: die Münchner Opernwelt, die seit jeher den Glanz liebt und den historischen Reichtum bewirtschaftet. Zwei stattliche Premieren der Bayerischen Staatsoper setzten im Zehn-Tage-Abstand charakteristische Akzente. Wobei insbesondere die Eröffnung der Münchner Opernfestspiele – der...