Jahrhundertwendelieder
Anke Vondung, seit Langem Gast auf den großen Bühnen der Welt, legt nach einer Reihe von Produktionen, in denen sie sich im Ensembleverbund mit anderen Sängern präsentierte, ihre erste Solo-CD vor. Ihr inspirierender Partner am Klavier ist der österreichische Pianist Christoph Berner, dem gemeinsam mit dem Tenor Werner Güra einige der eindrucksvollsten Liedproduktionen der letzten Jahre zu danken sind.
Schwerer hätte es sich die Sängerin mit ihrer ersten Sololied-Aufnahme kaum machen können: Wiener Moderne um 1900, ein für Ausführende und Hörer höchst anspruchsvolles Repertoire, ausdruckssatt und rätselhaft zugleich, im Ton leicht zu verfehlen. Anke Vondung wird der selbst gestellten Herausforderung beeindruckend gerecht. Ihre üppige, dunkel timbrierte Mezzosopranstimme weiß sie souverän zu entfalten, auch im Forte bleibt sie immer rund, im Piano verliert sie nie an klanglicher Dichte, selbst dort, wo sie «tonlos» agieren soll (beim «Stirb!» im vierten der Gesänge op. 2 von Alban Berg), geschieht dies überaus intensiv. Mit Christoph Berner verbindet sie beim Ausspinnen und Ineinanderschlingen der komplexen musikalischen Linien ein inniges Band, Sängerin und Pianist bilden eine ...
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Opernwelt April 2015
Rubrik: CD des Monats, Seite 29
von Thomas Seedorf
Seit sechs Jahrzehnten gibt es für die Hauptwerke der französischen Oper des 19. Jahrhunderts keine rein muttersprachlichen Ensembles mehr, stellt Jürgen Kesting im Booklet zu Piotr Beczalas «The French Collection» fest. Wo aber «nurmehr eine Versammlung polyglotter Sänger» Gounod, Massenet und Bizet interpretiere, beklagt der Stimmspezialist, gingen «die Merkmale...
Mittlerweile ist aus dem hoffnungsvollen Nachwuchssänger einer der gefragtesten Countertenöre unserer Zeit geworden, und ein Album mit Mozart-Arien, Ende 2013 im Rahmen der Grazer Styriarte entstanden, bestätigt Valer Sabadus’ Ausnahmerang. Mozarts Musik vermag seiner Stimme sogar noch mehr Nuancen, noch mehr Farben zu entlocken als die barocker Meister wie Hasse,...
Es war ein milder Spätssommertag, dieser 9. September. Wir saßen in einem Straßencafé an der Place de la Bastille. Skateboard-Fahrer knallten gegen die Betontrassen der Opéra, es roch nach Verkehr und süßen Crêpes. Dass Gerhard Rohde Geburtstag hatte, kam eigentlich nur heraus, weil Charlotte Oswald, seine Lebensgefährtin, es ansprach. Er selbst machte nie...
