Bearbeitungen und Entdeckungen

Kammermusikalisch geweitet: neue Lied-CDs mit Christoph Prégardien, Julie Boulianne und Stella Doufexis

Opernwelt - Logo

Der Würzburger Komponist und Hochschullehrer Marcus Maria Reißenberger ist hauptsächlich mit Bearbeitungen hervorgetreten, geht dabei aber den umgekehrten Weg wie Liszt und Busoni, die meist größer besetzte Werke fürs Klavier transkribierten. Jetzt hat Reißenberger Lieder Schumanns und Klavierminiaturen aus dessen «Waldszenen» für ein kleines Ensemble aus zehn Musikern arrangiert, das Ganze zu einem Zyklus zusammengebunden und diesen durch eine mit Versen Eichendorffs textierte Version von «Der Dichter spricht», dem Schlussstück der «Kinderszenen», abgerundet.

Ziel seiner Transformation war es, die Lebendigkeit von Schumanns originalem Klaviersatz zu erhalten, ihn gleichzeitig aber mit einer instrumentalen Farbenpalette zu übertreffen. Das konnte nur schiefgehen – sei es durch die Hervorhebung einzelner Stimmen, einen mulmigen Breitklang oder ein kitschig wattiertes Bassfundament wie in der «Mondnacht». Reißenberger beruft sich auf Schönberg. Aber wenn Schönberg arrangiert, dann will er entweder (wie in seiner Orches­terversion von Brahms‘ Klavierquartett g-Moll) Stimmen hörbar machen, die sonst untergehen, oder er verfolgt (wie in den zahlreichen Bearbeitungen für den «Verein für ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt März 2012
Rubrik: Medien | CDs, DVDs, Bücher, Seite 28
von Uwe Schweikert

Weitere Beiträge
Infos

Meldungen

Als Auszeichnung für sein Lebenswerk erhält der österreichische Komponist Friedrich Cerha den mit 200 000 Euro dotierten internationalen Ernst-von-Siemens-Musikpreis, der seit 1974 als inoffizieller Nobelpreis der klassischen Musik gilt und in den vergangenen Jahren u. a. an Aribert Reimann, Michael Gielen und Klaus Huber verliehen wurde. Die Jury der...

Ironischer Rückblick

Er darf als Universalgelehrter im besten Sinne gelten: der 1946 in Venedig geborene Dirigent und Komponist Giuseppe Sinopoli, der im Jahre 2001 während einer «Aida»-Vorstellung am Pult der Deutschen Oper Berlin einem Herzinfarkt erlag. Bestens vertraut mit der Weltliteratur, deren Werke er seit seiner frühen Jugend in mehreren modernen wie klassischen Sprachen im...

Im Focus 3/2012

Wenn das Leben zuschlägt, hat die Musik ihre Chance. Sie lotet in all die Abgründe hinab, die in uns lauern. Sie zeigt Höhenflüge und Hölle der Seelen. Ihre Pianissimo-Passagen sind lauter als jeder Schrei, ihre Akkordwechsel bohrender als jede Depression, ihr Jubel ist nachhaltiger als jede Erleichterung. So etwa bei Carl Maria von Webers «Freischütz», bei...