Geist und Trieb
Kadmos, der Gründer Thebens, ist als König zurückgetreten. Nachfolger wird sein Enkel, der sinnenfeindliche Asket Pentheus, dem das Volk davonläuft, weil es den Orgien des Dionysos erliegt. Alle Verbote sind vergeblich, selbst Pentheus’ Mutter Agaue folgt den Verlockungen des Rauschgottes. Als Pentheus, im Gewand der Mutter, schließlich selbst den Berg Kytheron besteigt und an den sexuellen Ausschweifungen teilnimmt, hetzt Dionysos die Bassariden – die fuchsfelltragenden Mänaden – auf ihn, und er wird von Agaue, die ihn im orgiastischen Wahn für einen Löwen hält, enthauptet.
Erst am nächsten Morgen erkennt sie, dass sie ihren Sohn getötet hat. Dionysos triumphiert.
Im Libretto des Autorengespanns W. H. Auden/ Chester Kallman zu Hans Werner Henzes zweistündigem, 1966 in Salzburg uraufgeführtem Operneinakter «Die Bassariden» liest sich das recht verworren. Da wird nicht nur die antike Vorlage, «Die Bakchen» des Euripides, bis in die Moderne verlängert und der religiöse Machtkampf tiefenpsychologisch gedeutet, sondern der Text selbst von ausufernden Szenenanweisungen und Figurenbeschreibungen geradezu erdrückt. Frank Hilbrich und sein Bühnenbildner Volker Thiele ignorieren in ihrer im ...
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Opernwelt Dezember 2015
Rubrik: Im Focus, Seite 18
von Uwe Schweikert
Kleiner als im Mittelsächsischen Theater Freiberg, einem der ältesten noch bestehenden Stadttheater Deutschlands (1791), geht’s kaum. Das Puppenstubentheater in der historischen Freiberger Altstadt mit einer Bühne von 10 mal 12 Metern und einem Orchestergraben, in den gerade mal 44 Musiker passen, bietet ganzen 294 Zuschauern Platz. Trotzdem ist hier nicht...
Für große Inszenierungen braucht es keine großen Bühnen. Ein Mann steht hinterm Herd, schwarzes T-Shirt, Schürze. Konzentriert schneidet er am Gemüse. Schnitt für Schnitt verwandelt er gelbe Karotten in elegante Würfel, und wie er das macht, ist ein kleines Kunststück: Jede Bewegung scheint bedächtig, fast ein chirurgischer Schnitt, aber das Ergebnis ist der Beweis...
Magisch flirren kann der Beginn des «Lohengrin», flageolettfarbene Sphärenmusik sein. In Bern geht das erst mal schief – weil eine der Violinen um Haaresbreite danebenliegt. Erst als die Holzbläser und die tiefen Streicher den Klang grundieren, erfasst ein Sehnsuchtssog das Orchester wie eine geheime Tiefenströmung. Mario Venzago kann das, kein Zweifel. Der Chef...
