Musikalisch ein Glücksfall
Je länger diese Aufführung dauert, desto stärker keimt ein Verdacht: Womöglich hat man sich bei Wagners «Tristan und Isolde» schon an zu viel gewöhnt. An Dirigenten, die ihr Heil im effektvollen Ertrinken und Versinken suchen und darob ihren Job als strenger Steuermann vergessen. Auch an Orchester, die willig und billig alles mit Emotion fluten, wo doch minutiöse Abstufung und trennscharfes Agieren gefragt wären. Vor diesem Hintergrund ist dem Theater Augsburg ein imponierendes Statement gelungen.
Generalmusikdirektor Dirk Kaftan, in seiner zweiten Saison längst zum Publikumsliebling und zum Energiezentrum des Hauses geworden, glückt dabei mit dem Philharmonischen Orchester eine wundersame Gratwanderung: ein «Tristan» zwischen temperamentvoller Entfesselung und reflektierter Kontrolle. Eine Deutung, die vor allem eines ist: genau gespielt und detailbewusst organisiert wie unter einer überscharfen Linse. Kein Bläserakkord sucht sich da klappernd erst zusammen, jeder Streicherstrom wird kanalisiert und energiereich phrasiert. Der Klang ist prägnant gefasst, geschlossen, klug balanciert. Die Temporelationen stimmen, Übergänge ereignen sich präzise und logisch. Und anstatt die Sänger im ...
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Opernwelt Mai 2011
Rubrik: Panorama, Seite 38
von Markus Thiel
Karol Szymanowskis Oper «Król Roger» (1926) ist ein extrem vielschichtiges Werk: Die drei Akte spiegeln die Symbiose byzantinischer, arabischer und griechisch-antiker Elemente im Sizilien König Rogers II. (1. Hälfte 12. Jh.). Die Handlung (sofern man bei dem oratorienhaft statischen Stück von Handlung sprechen kann) folgt den «Bakchen» des Euripides, der Antagonist...
New York ist für Rossinis «Le Comte Ory» kein Neuland: Nachdem Thomas Schippers die Oper 1962 mit den Philharmonikern und Solisten wie Judith Raskin (Adèle), Shirley Verrett (Isolier) und Norman Treigle (Gouverneur) auf den Spielplan gesetzt hatte, fand das Werk 1979 auch in das Repertoire der City Opera Eingang, geadelt durch so ausgewiesene Rossini-Interpreten...
Frau Moses, Sie sind 2009 in Dessau mit dem Anspruch eines politischen Musiktheaters gestartet. Was haben Sie inzwischen bewirkt?
Unser Ziel war es, das bürgerliche Bewusstsein der Menschen hier, das 1989 einmal kurz und heftig aufflackerte, wieder aus der Resignation zu erwecken. Ob uns das nachhaltig gelungen ist, muss die Zeit zeigen. Aber schon aus der Art, wie...
