Sentiment und Action
In Texas muss alles groß sein. So hat die Dallas Opera in ihrem 53. Jahr für ihre dritte Uraufführung nach einer besonders gewichtigen Vorlage gegriffen. Den Umzug in das neue, von Norman Foster entworfene Theater feierte man letzten Oktober unverfänglich mit Verdis «Otello», jetzt wurde mit Herman Melvilles «Moby Dick» ein dicker Brocken gewuchtet, der die Möglichkeiten der Bühne voll austestet.
Dabei ist der weiße Wal, der in diesem mit Bibelanspielungen gespickten Roman als Gegenspieler und Nemesis des manischen, vielleicht verrückten Kapitän Ahab fungiert, dem er einst das linke Bein raubte, gar nicht zu sehen. Der finale Kampf mit dem Meeresgiganten wird nur indirekt gezeigt: Virtuelle Boote zerbersten, Seeleute fahren ertrinkend aus dem Bild, der negative Schattenriss des Walfängers Pequod kippt weg. Schließlich verschwindet Ahab zwischen weißem Videorauschen. Nur der Matrose, den man als Greenhorn kannte, rettet sich auf einem Sarg. Mit den berühmten Worten «Call me Ishmael» offenbart er sich dem ihn auflesenden Schiff. Damit beginnt eigentlich der Roman.
In seiner sechsten Oper halten sich Jake Heggie («Dead Man Walking») und sein bewährter Librettist Gene Scheer eng an die ...
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Drei Sängerpersönlichkeiten, die ein Stück Musikgeschichte mitgeschrieben haben, sind im Mai von der Bühne des Lebens abgetreten. Zwei von ihnen machten Weltkarriere, verloren dabei aber nie die Bodenhaftung – stets waren sie in funktionierende Ensembles eingebettet; der dritte war der Typ des Ensemblesängers schlechthin, einer Spezies, die schon lange vom...
Die Oper war nicht gerade seine erste Liebe. Wolfgang Gropper, der in den vergangenen 13 Jahren das Staatstheater in Braunschweig geleitet hat und nun zum Ende der Spielzeit in den Ruhestand geht, ist eigentlich ein Mann des Schauspiels. Schon früh hat der gebürtige Oberbayer, der eine Schauspielausbildung und ein komplettes Jurastudium absolvierte, vor allem das...
Der Name Christoph Schlingensief ist inzwischen untrennbar mit dem Attribut «Lungenkrebs» verbunden. Das ist kein Zufall, fördert er doch selbst nach Kräften die Aufhebung der Trennung von Kunst und Leben; die öffentliche Zurschaustellung und Verkunstung seiner Krankheit ist Teil einer Therapie. Davon konnte man sich zuletzt wieder in seinem Luigi-Nono-Verschnitt...
