Doppelmoral
Oper ist kein Sport. Doch gelten auch in Opernbetrieben selbstverständlich ein paar zivilisatorische Grundregeln, die denen auf einem Bolzplatz vergleichbar sind. Zum Beispiel die, dass es nach einem fetten Foul die rote Karte gibt und dass nicht zwei auf einmal Erster werden können. Eine Besonderheit, die ein Opernhaus von einem Fußballverein unterscheidet, ist die strukturelle Dichotomie der Doppelspitze, die erstens einen Intendanten und zweitens einen Generalmusikdirektor vorsieht.
Verwaltungstechnisch kann der eine dem anderen vorgesetzt sein, von der Sache her sind sie gleichberechtigt und quasi natürliche Feinde. In dieser Personalkonstellation spiegelt sich nämlich jene Dichotomie zwischen Bühne und Graben, die auch jedem halbwegs gelungenen Gesamtkunstwerk innewohnt, der Widerspruch also zwischen Zeit und Raum, Vernunft und Gefühl, Wort und Musik, Handlung und Gesang, wie ihn schon Oskar Bie als einen «Grundwiderspruch» der Gattung definiert hatte.
Kein Dirigent wird also je Gefallen daran finden, dass seine Sänger auf der Bühne herumhüpfen wie junge Zicklein, Kopfstand machen oder auch nur mal nach hinten in die Gasse singen. Kein Regisseur wird je damit zufrieden sein, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Zwei neue Opern prominenter Komponisten wurden im April 2009 innerhalb weniger Tage uraufgeführt: Wolfgang Rihms Monodrama «Proserpina» bei den Schwetzinger Festspielen und Salvatore Sciarrinos «La porta della legge» in Wuppertal. Beide legen ihren knapp eineinviertelstündigen Einaktern Stoffe aus der Weltliteratur zugrunde: Rihm einen ganz auf den inneren...
Rätselhafte Annäherungen. «Es gibt keine richtigen Opern mehr.» Das sagt kess Aminta (Mezzosopran, zunächst mit einem Psychoanalytiker liiert) zu ihrem neuen Freund, dem Dichter Carlo Murbrunner (Tenor: was sonst?), in der zehnten Szene des zweiten Aktes der Oper «Das kommt davon oder: Wenn Sardakai auf Reisen geht». Auch der vorangegangene Satz von Carlo hat es in...
Herr van Dam, 2010 werden Sie sich nach einem halben Jahrhundert von der Opernbühne verabschieden. Wollten Sie eigentlich jemals etwas anderes werden als Sänger?
Nie, für mich war dieser Weg immer selbstverständlich. Das hat sicher damit zu tun, dass ich schon als Kind aufgetreten bin – ich war immer Solist. Ein Freund meiner Eltern brachte mich zu einem...
