Und ewig lockt das Mittelalter
Immer weniger Natur, immer mehr Industrie, mehr Technik, mehr Tempo, mehr soziales Gefälle. Die Menschen im 19. Jahrhundert lehnten sich auf gegen die rasante Veränderung ihres Lebensumfeldes. Schon Goethe ahnte, dass die Entwicklung, deren Anfänge er mitbekam, einschneidend und unumkehrbar war. Und er war froh, dass er sie nicht mehr erleben musste. In der Oper spiegelte sich die Suche nach einer Gegenwelt, nach Ausflucht und den Möglichkeiten einer bunten Fantasie vor allem im Rückgriff auf das Mittelalter.
Zwei denkbar kontrastreiche, lange vergessene Stücke zeigen, wie das konkret klingen konnte. In beiden Fällen musste das Notenmaterial erst mühevoll erstellt werden, war der Aufwand der Einstudierung enorm. In beiden Fällen hat er sich gelohnt. Denn es geht um zwei Wiederentdeckungen von musikgeschichtlicher Signifikanz. Dass die ästhetische Qualität der Stücke oft zu wünschen übrig lässt, steht dazu nicht im Widerspruch.
Das Theater Chemnitz brachte 2008 eine szenische Produktion von «Il templario» heraus (siehe OW 5/2008). Otto Nicolai war dreißig Jahre alt, als er dieses «Melodramma» nach Scotts «Ivanhoe» schrieb. Mit seinen späteren «Lustigen Weibern von Windsor» hat es ...
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