Grille, schwindelfrei
Oje, wenn das der liebe Gott sehen würde: Eine solche Life Story, und das ausgerechnet an einem Ort wie der altehrwürdigen Aldeburgh Church – er würde den Donner hinab zur Erde schleudern, auf dass die Menschen wieder einfache Diener in seinem Weinberg werden mögen. Aber was soll er machen, es ist zu spät.
Ohne auch nur einen Funken Anstand zu besitzen, singt diese Dame im unzüchtig ausgeschnittenen Kleid (Gweneth-Ann Jeffers) von den Wonnen der fleischlichen Liebe, und sie weiß dabei auch noch einen gewandten Dichter (Tennessee Williams) und einen versierten Komponisten (Thomas Adès) hinter sich. Ach, diese Welt, sie ist wirklich verdorben. Na ja, vielleicht nicht die ganze Welt. Aber dieser Streifen im Süden Suffolks ganz gewiss.
Aldeburgh hat sich geändert. Nicht nur das ehedem ärmliche Fischerstädtchen, welches Benjamin Britten als topografische Vorlage für «Peter Grimes» diente, ist heute ein Ort merkantil dominierter Moderne, wo Häuser beinahe Londoner Preise erzielen. Auch das von Britten gemeinsam mit Peter Pears 1948 ins Leben gerufene Festival ist den Metamorphosen der Zeit anheim gefallen. Zwar versuchen die von Meurig Bowen verantwortlich zusammengestellten ...
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Frau Barcellona, haben Sie Oper in Ihren Genen?
Nicht unbedingt. Zwar sagt man uns Italienern das im Allgemeinen nach, doch ich fühlte mich nicht zur Sängerin geboren, wollte zunächst etwas anderes machen, etwas, das mit Sprachen zu tun hat. Freilich hat man in meiner Familie die klassische Musik immer schon geliebt. Meine Eltern hörten sich Opernübertragungen im...
Wer Carlo Maria Giulini nie auf einer Probe erlebt hat, kann das per DVD nachholen. Bei Arthaus ist ein Mitschnitt seiner Arbeit an Bruckners Neunter mit dem Orchester des SWR erschienen. Man sieht den Maestro in seiner Spätphase. Dreiundachtzig ist er, ganz Grandseigneur natürlich, groß, schlank, der Musik inbrünstig hingegeben. Was die Probentechnik betrifft,...
Eine unheimliche Geschichte: Johanna die Wahnsinnige, Mutter des in Gent geborenen Karl V., liebte ihren Mann Philipp den Schönen so sehr, dass sie bei seinem frühen Tod 1506 keinen Abschied nehmen konnte und lange Zeit mit seiner Leiche durch Spanien reiste. Nachts musste der Sarg geöffnet werden, damit die untröstliche Johanna ihren langsam verwesenden Ehegatten...
