Schöner Schein
Draußen vor der Tür lockt die Freiheit, drinnen im Saal das pure Verlangen. Draußen blickt uns von zwei zehn Quadratmeter großen Bannern herab eine kühl-unantastbare Schönheit an und wirbt für das Eau de Parfum «Libre» eines renommierten Duftproduzenten, drinnen im Saal schaut uns eine alles andere als kühl-unantastbare Schönheit an und wirbt für das (fiktive) Eau de Parfum «Villain». Und das ist genau genommen schon das Problem dieses reizüberfluteten Abends.
Simon Stone bildet in seiner «Traviata»-Inszenierung im Palais Garnier die Welt so ab, wie sie ist, im Kleinen wie im Großen. Sein Paris ist das Paris der glitzernden Fassaden, wo Champagner fließt, wo die Mitglieder der Hautevolee feinen Smoking und schick-knappe Cocktailkleider tragen, wo Geld keine Rolle spielt, und wo die Kurtisane ein omnipräsenter Popstar mit lukrativem Werbevertrag ist, die nach Erfüllung ihrer Tätigkeit als Marke mit einer auf die Bühne geschobenen Limousine nach Hause gebracht wird. Die Kommunikation erfolgt via Short Message Service, alles wird in eiligstem Tempo erledigt: Gefühle, Geschäfte, Gemeinheiten. Schöne kalte Welt, videogeneriert, irre schnell und genauso irre schrill.
Nicht minder ...
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Opernwelt November 2019
Rubrik: Panorama, Seite 54
von Jürgen Otten
Ach, das waren noch Zeiten in Salzburg. Damals, bei den Osterfestspielen. Herrlich unbeschwert. Jedenfalls solange Herbert von Karajan der König war. Von 1967 bis 1989 leitete er das Gourmet-Festival, als Maestro, Regisseur, Lichtgestalter und Programmdirektor. Mit einer Aufführung von Richard Wagners «Walküre» hatte er es am 19. März 1967 eröffnet, um freie Bahn...
Sie liebkost jedes Wort, kostet Farbschattierungen ganz subtil aus, verströmt eine gebirgswassersprudelnde Klarheit. Der Gesang von Mari Eriksmoen ist auf jene natürliche Weise kunstvoll, dass selbst zu viel gesungenes und zu viel gehörtes Liedgut wie das «Ständchen» von Richard Strauss oder die «Widmung» von Robert Schumann die Unmittelbarkeit und den Zauber des...
Zwar ist 2019 noch nicht vorbei. Doch müsste ein Wunder geschehen, um dieses Offenbach-Jahr noch zu drehen. Sein Ertrag ist – überschaubar: einige Neuproduktionen, doch kaum neue Perspektiven. Und noch weniger Auseinandersetzungen mit Unbekanntem («Barkouf», der im Oktober in Köln Premiere hatte, war schon 2018 in Straßburg herausgekommen).
Das kalauernde Motto...
