Eine Frage des Zeitstils
Das ungeliebte Frühwerk» – der Titel übertreibt nicht. Und «Das Liebesverbot», ohnehin nicht zum Bayreuther Kanon gehörig, ist unter Wagners Frühwerken nochmals in besonderer Weise ungeliebt. Mögen sich die «Feen» auf die späteren romantischen Opern beziehen lassen und «Rienzi» eine gattungsgeschichtlich interessante Brücke zur Grand opéra schlagen (von der sich Wagner bekanntlich verbal scharf distanzierte), so ist die «große, komische Oper» nach einer Shakespeare-Vorlage scheinbar folgenlos für Wagners Schaffen. Ein Versuch sozusagen in die falsche Richtung.
Das Wagner-Jubiläum 2013 gab nicht nur in Bayreuth und Leipzig die Möglichkeit einer neuen Überprüfung. Im Januar des Jahres fand im Münchner Prinzregententheater unter der Leitung von Ulf Schirmer eine konzertante Aufführung statt, die von einem wissenschaftlichen Symposion flankiert wurde. Dessen Vorträge liegen jetzt in überarbeiteter Form in der Reihe «Wagner in der Diskussion» vor. Sie nähern sich dem «Liebesverbot» aus musik- und kulturhistorischer (nicht aus rezeptionsgeschichtlicher) Perspektive. Die von Klaus Pietschmann und Inga Mai Groote behandelte Frage nach Gattungstraditionen und institutionellen, aber auch ...
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Opernwelt Februar 2015
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 28
von Stephan Mösch
Mit Zuckerlächeln piepst sie Emmerich Kálmáns Melodien. Stampft, lacht, steppt. Fliegt durch die Luft, entsorgt ihren Tanzpartner in ein Fass und tanzt den Csárdás umstandslos mit einer Frau weiter: Marika Rökk war Sylva Varescu im Film «Die Csárdásfürstin», den ihr Mann Georg Jacoby zu Beginn der 1950er-Jahre drehte. Das Teufelsweib, das aus dem Musikfilm der...
Seit dem Niedergang der Phonoindustrie sind es vor allem die Interpreten und Institutionen selbst – Opernhäuser, Orchester, Rundfunkanstalten –, die sich um die Veröffentlichung und Vermarktung ihrer Produkte kümmern. Dazu gehört auch der reiche Schatz an älteren Aufnahmen, der vor allem in den Archiven der Funkanstalten schlummert. Das französische Institut...
Die stärkste Szene spielt vorn an der Rampe. Eine schwarze Schwanenfrau trippelt da auf Spitze. Vor einem goldglänzenden Vorhang. Versucht verzweifelt abzuheben. Spreizt die Flügelarme, windet sich, kreiselt um die eigene Achse. Klack macht es, klack, klack, klack. Immer schneller, immer lauter. Der Atem wird schwer. Bis die Luft ausgeht. Bis der Schwan in sich...
