Bequemschuh und Kettensäge
Mit Andrea Moses in Stuttgart und Christof Loy an der Deutschen Oper Berlin haben fast gleichzeitig zwei Regisseure zu Verdis «Falstaff» gegriffen, die bisher nicht gerade als Komödianten hervorgetreten sind. Verdis bitterböses Weltabschiedswerk mit seiner verführerischen Mischung aus schauspielhaftem Tempo und musikalischer Beweglichkeit ist szenisch schwer zu knacken. Wer hier auf Realismus setzt, wird von der Musik, die selbst schon Handlung ist und in der alle Gesten, alle Bewegungen bereits mimisch auskomponiert sind, gnadenlos ausgezählt.
In diese Falle ist Andrea Moses in ihrer Stuttgarter Inszenierung getreten, die brav, bieder, ja banal mit lähmendem Aktionismus alle Gags nachstellt, vor der düsteren Kehrseite von Verdis Komödie der Verzweiflung aber Augen und Ohren verschließt. Symptomatisch für diesen fantasietötenden Nachhilfeunterricht, um nur ein Detail anzuführen: wenn Falstaff seinem gesungenen Porträt des flinken Kerlchens, das er einst als Page war, mit einem aus der Manteltasche gefingerten Foto nachhilft.
Alle Figuren in Moses’ Aktualisierung wirken klein, gerade weil sie uns in Jan Pappelbaums hölzernem Multifunktionshaus in Outfit, Accessoires und ...
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Opernwelt Januar 2014
Rubrik: Im Focus, Seite 8
von Uwe Schweikert
Es beginnt ohne Orchester mit einem faszinierenden Klangsymbol. Eine knabenhaft helle, gleißende Sopranlinie fährt wie ein Lichtbogen durch den dunklen Raum. Auffällig an dem ansonsten schlichten Melisma das Tritonus-Intervall, als traditioneller diabolus in musica hier Vorbote von Verhängnis. Tatsächlich erscheint das periodisch im Stück wiederkehrende...
Meldungen
Bis 2012 war sie Künstlerische Leiterin der Reihe «Kunst aus der Zeit» der Bregenzer Festspiele; ab der Spielzeit 2015/16 wird die Dramaturgin und Kuratorin Laura Berman mit der Operndirektion am Theater Basel betraut. Derzeit bereitet die gebürtige U.S.-Amerikanerin, die u. a. an der New Yorker Juilliard School, der Princeton University und in Hamburg...
Elektrisierende Streicher, dunkel murmelndes Klavier. Wind, der die Baumwipfel zaust, in rhythmischen Böen niederstreicht – so beginnt Ralph Vaughan Williams’ «On Wenlock Edge» zu Texten aus A. E. Housmans «A Shropshire Lad», uraufgeführt 1909. Dann sind da die Glocken in «Bredon Hill», schwingende Quinten, leichtfüßig durchschrittene Terzen, schließlich düstere...
